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Teratogene Arzneimittel

Hinweis bei jeder Abgabe

Grandt plädiert dafür, dass das Apothekenpersonal bei jeder Abgabe eines Teratogens der Risikoklassen 2 oder 3 (siehe folgende Aufzählung) an Frauen im gebärfähigen Alter diese noch einmal auf das Risiko hinweist und fragt, ob Patientin und Arzt über Verhütung gesprochen haben. Apotheker sollten dazu die häufigsten teratogenen Arzneimittel im Hinterkopf haben – »das sind nicht allzu viele«, so Grandt.

Das Risiko für grob strukturelle Fehlbildungen im ersten Trimenon liegt ohne Arzneimitteltherapie bei etwa 3 Prozent – drei von hundert Kindern kommen also rein statistisch mit einer Fehlbildung auf die Welt. Bei den Teratogenen werden nun drei Risikoklassen unterschieden: 

  • Risikoklasse 1 – schwache Teratogene: Das Risiko auf grob strukturelle Fehlbidlungen bei Exposition im ersten Trimenon erhöht sich auf 4 Prozent. Dazu zählen Glucocorticoide, Lithium, Methimazol/Thiamazol/Carbimazol und Trimethoprim/Cotrimoxazol. 
  • Risikoklasse 2 – gesicherte Teratogene: Das Risiko steigt auf bis zu 10 Prozent. Dazu gehören Androgene, Carbamazepine, Cumarine (Phenprocoumon und Warfarin), Cyclophosphamid, Methotrexat, Misoprostol, Penicillamine, Phenobarbital, Primidon, Phenytoin, Topiramat, Vitamin A, Zytostatika
  • Risikoklasse 3 – unzweifelhaft starke Teratogene: Das Risiko steigt auf bis zu 30 Prozent. Dazu zählen systemische Retinoide (Acitretin, Etretinat, Isotretinoin, Tretinoin), Thalidomid, Mycophenolat, Valproinsäure.

Genauere Angaben finden Apotheker in der Datenbank Embryotox des Pharmakovigilanz- und Beratungszentrums für Embryonaltoxikologie der Charité in Berlin. Grandt empfiehlt zudem die Lektüre eines umfassenden Review-Artikels zum Gebrauch von Arzneimitteln in der Schwangerschaft von Privatdozentin Dr. Katarina Dathe und Professor Dr. Christof Schaefer, die dort arbeiten, der 2019 im »Deutschen Ärzteblatt« publiziert wurde.

Die Barmer fordert als Reaktion auf ihren Report, dass künftig jede Frau im gebärfähigen Alter bereits ab einem dauerhaft verordneten Medikament einen Rechtsanspruch auf einen bundeseinheitlichen Medikationsplan haben soll. Auch hier könnte die Apotheke mithelfen, auf Vollständigkeit und Aktualität zu achten.

Zudem plant die Barmer ein Projekt namens eRIKA, bei dem Ärzte bereits beim Ausstellen eines Rezepts mehr Transparenz zur Gesamtmedikation erhalten sollen und bei dem auch Apotheken mitwirken sollen. Das Projekt soll vom Innovationsfonds des Gemeinsamen Bundesausschusses gefördert werden, wird aber wohl frühestens im kommenden Jahr starten. Weitere Details sind noch nicht bekannt.

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