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Häusliche Gewalt

Hilfsaktion in Apotheken startet

Die Coronavirus-Pandemie und die damit verbundenen Ausgangsbeschränkungen erhöhen das Risiko häuslicher Gewalt. Apotheken in Nordrhein-Westfalen (NRW) wollen Betroffenen helfen.
Anja Köhler
14.04.2020  13:54 Uhr

Schon mit Beginn der Ausgangsbeschränkungen hatten Sozialverbände angesichts der Coronavirus-Pandemie vor zunehmenden Risiken für Opfer häuslicher Gewalt gewarnt. Sie befürchteten, dass die Wahrscheinlichkeit für Übergriffe steigt, je länger Menschen in den eigenen vier Wänden miteinander auskommen müssen. »Die einen genießen es, in der Corona-Krise mit dem Partner und der Familie mehr gemeinsame Zeit zu Hause zu verbringen. Für die anderen führt so viel Nähe zu einer Gefahr für Leib und vielleicht sogar Leben«, teilte der Apothekerverband Westfalen-Lippe (AVWL) am Dienstag mit.

Der Verband will mit dem Dachverband der autonomen Frauenberatungsstellen NRW nun eine Informationsaktion starten. Demnach sollen in den kommenden Wochen in den Apotheken im Gebiet Westfalen-Lippe Hinweiszettel mit Kontaktdaten wichtiger Anlaufstellen ausliegen, an die sich Opfer häuslicher Gewalt wenden können. Die Informationen sollen auch jenen helfen, die Rat brauchen, wie sie selbst Opfern helfen können. »Der Gang zur Apotheke ist derzeit eine der wenigen Gelegenheiten, bei denen Opfer häuslicher Gewalt den eigenen vier Wänden entkommen können«, sagte Aysel Sırmasaç, Geschäftsführerin des Dachverbands.

Der AVWL-Vorstandsvorsitzende Klaus Michels hält die 1.800 Apotheken vor Ort für gut geeignet, solche Informationen zu vermitteln. Sie sind für die Menschen »niedrigschwellige und vertraute Anlaufstellen im Dorf, im Viertel oder im Wohnquartier – und zwar nicht nur in Gesundheits-, sondern auch in vielen anderen Fragen.«

Auch in Frankreich hilft die Apotheke

Auch in Frankreich gibt es seit Ende März einen Versuch der Direkthilfe in Apotheken. »Wer dort nach einer ,Maske Nummer 19‘ fragt, für den soll in der Theorie sofort die Polizei gerufen werden. Apothekern wurde ein entsprechendes Informationsblatt zugeschickt«, berichtete die »Süddeutsche Zeitung« (SZ). Die französische Regierung hatte am 17. März eine landesweite Ausgangssperre verhängt, um die Verbreitung des Coronavirus zu verlangsamen. Dies sei »perfekter Nährboden« für häusliche Gewalt, warnte laut SZ die Staatssekretärin für die Gleichstellung der Geschlechter, Marlène Schiappa. Demnach ist die Zahl der Polizeieinsätze wegen häuslicher Gewalt allein in der ersten acht Tagen der Ausgangssperre in Paris um 36 Prozent gestiegen. Zwar habe es bereits Telefonhotlines gegeben. Doch die nützten wenig, »wenn der Peiniger ständig in der Nähe ist«, heißt es.

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