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Arzneimittelsicherheit

Hersteller hinterfragen Spahns Pläne

Die Arzneimittelhersteller in Deutschland sehen die Pläne von Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) für mehr Sicherheit in der Arzneimittelversorgung kritisch. Spahns vor wenigen Tagen vorgestellter Gesetzentwurf biete nicht genug Ansätze, um die Patientensicherheit tatsächlich effizient zu erhöhen, hieß es heute.
Cornelia Dölger
20.11.2018
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Zwar sei Spahns Vorstoß richtig, die Kompetenz des Bundesinstituts für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) sowie des Paul-Ehrlich-Instituts mit Blick etwa auf Arzneimittelrückrufe zu stärken, teilte der Bundesverband der Arzneimittel-Hersteller (BAH) mit. »Dadurch lassen sich Rückrufe effektiver durchführen und etwaige Engpässe vermeiden«, betonte BAH-Hauptgeschäftsführer Martin Weiser. Doch viel weiter führe Spahns Entwurf nicht; es fehle an Maßnahmen, um die Gefahr von Versorgungsengpässen zu verhindern, etwa eine Gesetzesvorgabe, dass Krankenkassen mit mindestens drei Herstellern Rabattverträge abschließen müssten.

Spahns Vorhaben, das Einsparpotenzial von Biosimilars per Aut-idem-Regelung künftig stärken zu nutzen, hinterfragen die Hersteller ebenfalls. »Biologische Arzneimittel sind um ein Vielfaches komplexer als chemisch definierte. Zur Arzneimitteltherapiesicherheit gehört, dass Nebenwirkungsmeldungen eindeutig identifizierbar und zurückzuverfolgen sind«, so Weiser. Dies müsse Vorrang vor allen Sparmaßnahmen haben, doch darauf ziele ein forcierter Austausch von Biosimilars eben nicht in erster Linie ab.» Eine Substitution, ohne dass der behandelnde Arzt eine solche angeordnet habe, gefährde die Patientensicherheit, betont Weiser.

Spahn hatte Ende vergangener Woche mit dem sogenannten Gesetz für mehr Sicherheit in der Arzneimittelversorgung ein ganzes Maßnahmenbündel vorgelegt. Mit dem Entwurf reagierte der Minister auf die jüngsten Arzneimittelskandale um Lunapharm, Valsartan oder den Zyto-Apotheker aus Bottrop, der aus Gewinnsucht über Jahre Krebsmedikamente gestreckt hatte.

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