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Diabetes Typ 1
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Herausforderung Pubertät

Die Pubertät stellt alles auf den Kopf. Körperliche und seelische Umbrüche sowie der Drang nach mehr Selbstständigkeit und Freiheit passen so gar nicht zu einer chronischen Erkrankung wie Diabetes Typ 1. Zudem verschlechtern die physiologischen Hormonschwankungen die Stoffwechsellage deutlich. Was müssen Eltern und Jugendliche jetzt besonders beachten?
AutorKontaktIlsabe Behrens
Datum 09.02.2020  08:00 Uhr

Schwankende Stimmung bis hin zur Depression

In der Pubertät erfahren Jugendliche nicht nur tiefgreifende körperliche, sondern auch seelische Veränderungen. Sie beschäftigen sich stark mit sich selbst und ihrem eigenen Körper und fühlen sich häufig unwohl in ihrer Haut. Stark schwankende Blutzuckerwerte verstärken die Stimmungsschwankungen immens, und die Jugendlichen fühlen sich noch unwohler.

Viele junge Diabetes-Patienten können und wollen ihre chronische Erkrankung nicht wirklich akzeptieren und schieben jegliche Misserfolge darauf. Das führt oft dazu, dass sie versuchen, ihre Stoffwechselstörung vor anderen geheim zu halten. Im Extremfall kann es sogar zur totalen Therapieverwei­gerung kommen. Damit beginnt ein ­Teufelskreis.

Weitere belastende Aspekte können Akne und Gewichtszunahme sein, wobei eine Akne nicht häufiger auftritt als bei Stoffwechselgesunden. Deutlich häufiger kommt es allerdings zur Gewichtszunahme, da Insulin ein anaboles Hormon ist. Tritt eine Hypogly­kämie auf, kann der Patient nur »dagegen anessen«, damit der Blutzucker wieder ansteigt, obwohl der Körper keine zusätzliche Energie benötigt. Und Hypoglykämien treten durch die schlechte Kalkulierbarkeit der genauen Insulinmenge gehäuft auf. Das Gewicht steigt, und Abnehmen ist unter einer Insulintherapie deutlich schwieriger. Dies ist ein weiterer Aspekt, weshalb junge Diabetes-Patienten die Therapie vernachlässigen, permanent zu wenig Insulin spritzen oder die Injektionen ganz verweigern (Kasten).

Etwa 20 bis 25 Prozent aller Diabetes-Patienten (Typ 1 und Typ 2) sind im Lauf ihrer Erkrankung von depressiven Verstimmungen und Depression betroffen. In der kritischen Phase der Pubertät entwickelt sich eine Depression besonders häufig.

Depressive Diabetes-Patienten haben oft einen schlecht eingestellten Blutzucker. Dies liegt einerseits an einem veränderten Stoffwechsel durch psychischen Stress (Freisetzung von Stresshormonen), zum anderen an geringerer Motivation und Aktivität, ihre Therapiemaßnahmen umzusetzen. Damit steigt das Risiko für Folgeerkrankungen.

Die S3-Leitlinie »Therapie des Typ-1­-Diabetes« (www.awmf.org/leitlinien/ detail/ll/057-013.html) gibt neben Empfehlungen zu strukturierten Schulungsangeboten und psychosozialen Behandlungskonzepten auch Hinweise zu Diagnostik und Therapie komorbider psychischer Erkrankungen. Die enge Zusammenarbeit verschiedener Fachärzte mit dem Diabetologen und Diabetesteam kann entscheidend dazu beitragen, dass ein junger Diabetes-­Patient nicht im »Loch« einer psychischen Erkrankung versinkt.

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