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Welt-Hepatitis-Tag

Hepatitis-Alphabet endet nicht bei C

Die Hepatitisviren A, B und C sind in Deutschland recht bekannt. Das Hepatitis-E-Virus findet dagegen bislang zu wenig Beachtung. Darauf weist das Paul-Ehrlich-Institut (PEI) anlässlich des Welt-Hepatitis-Tags am 28. Juli hin.
PZ
28.07.2022  15:30 Uhr

Weltweit sind mehrere Hundert Millionen Menschen von einer durch Viren verursachten Leberentzündung betroffen. Die meisten Fälle einer viralen Hepatitis gehen auf fünf biologisch völlig unterschiedliche Erreger zurück: die Hepatitisviren A, B, C, D und E (HAV bis HEV), informiert das PEI in einer Mitteilung. Vor allem Hepatitis-B und -C führen zu schweren Erkrankungen: Weltweit sterben jedes Jahr etwa 1,1 Millionen Menschen an diesen Hepatitis-Formen. In Deutschland kommt aber auch ein Hepatitisvirus vor, das weniger bekannt ist: das Hepatitis-E-Virus.

Von diesem gibt es die für den Menschen pathogenen Genotypen 1 bis 4, von denen in Deutschland Genotyp 3 endemisch ist. Er wird, wie auch Genotyp 4, vor allem zoonotisch, also vom Tier auf den Menschen, übertragen. Das wichtigste Reservoir des Erregers sind Schweine. Eine HEV-3-Infektion scheine häufig mit nur milden Symptomen wie Oberbauchbeschwerden oder einer leichten Gelbsucht einherzugehen oder sogar asymptomatisch zu bleiben, berichtet das PEI. Aber auch schwere und tödliche Krankheitsverläufe seien möglich. Die Genotypen 1 und 2 werden vor allem in Entwicklungsländern über kontaminiertes Trinkwasser übertragen. Bei ihnen handele es sich um eine armutsassoziierte vernachlässigte Erkrankung, an deren Erforschung das PEI auch im Rahmen des DRUID (Novel Drug Targets against Poverty-related and Neglected Tropical Infectious Diseases)-Forschungskonsortiums arbeite.

Die Zahl der Hepatitis-E-Infektionen ist in den vergangenen Jahren deutlich angestiegen. Während im Jahr 2009 insgesamt 109 HEV-Infektionen an das Robert-Koch-Institut (RKI) gemeldet wurden, waren es im Jahr 2019 schon 3728 Fälle. Diesen Anstieg führt das RKI auf eine gesteigerte Aufmerksamkeit der Ärzteschaft und bessere diagnostische Tests zurück.

Die Hauptinfektionsquelle in Deutschland ist unzureichend gegartes Schweine- oder Wildfleisch und auch Muscheln können kontaminiert sein. Eine Übertragung von HEV ist auch über Blutprodukte möglich, weshalb das PEI festgelegt hat, dass seit 2020 diese Präparate auf HEV getestet werden müssen.

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