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Antidepressiva

Hauptaufgabe der Apotheke ist Stärkung der Adhärenz

Depressionen sind eine sehr ernst zu nehmende psychische Erkrankung. Die Therapie ist nicht einfach und wird durch die Antriebslosigkeit der Patienten oft erschwert. Was müssen Apothekenmitarbeiter wissen?
Christiane Berg
24.11.2020  09:30 Uhr

Circa acht Prozent der deutschen Bevölkerung zwischen 18 und 65 Jahre sind an einer Depression erkrankt. »Betroffene müssen in ihren schwierigen Lebenssituationen sorgsam und professionell begleitet werden. Die erfolgreiche Therapie macht fundiertes und somit regelmäßig aufzufrischendes pharmazeutisches Wissen erforderlich«, betonte Dr. Katja Renner, Heinsberg, beim dem traditionellen Novemberkongress der Apotherkammer Schleswig-Holstein, der in diesem Jahr coronabedingt als Live-Online-Veranstaltung durchgeführt wurde.

Der Zeitpunkt der Ersterkrankung liegt bei 50 Prozent der Patienten vor dem 32. Lebensjahr. »Die Häufigkeit des Auftretens von Depressionen in hohen Lebensjahren ist jedoch vergleichbar mit der in jüngeren Jahrgängen«, unterstrich die Apothekerin in einem Vortrag mit dem Titel »Depressionen – Mehr als nur traurig«. Die Beratung in der Apotheke gehe mit großen Herausforderungen einher.

Vielfältige Ursachen

Generell sei die Pathopyhsiologie der Depression von einem multifaktoriellen Risikogeschehen geprägt. Risikofaktoren in jungen Jahren sind genetische, aber auch soziale Belastungen wie Schwierigkeiten in der Ausbildung, Verlust des Arbeitsplatzes, finanzielle Not, Todesfälle in der Familie, gescheiterte Beziehungen, Trennungen oder auch schwere Erkrankungen. Als Ursachen und Auslöser im Alter kommen negative Lebensbilanzen, chronische Schmerzen und Missempfindungen sowie auch Einsamkeit in Betracht.

Renner hob hervor, dass auch Arzneimittel und hier unter anderem Corticoide, Neuroleptika, Antihypertonika (zum Beispiel Betablocker), Interferone, Opiate, Antibiotika, orale Kontrazeptiva oder Anti-Parkinson-Therapeutika (zum Beispiel Levodopa) eine Sekundär-Depression auslösen können. Hier könne es gegebenenfalls angezeigt sein, die pharmakologische Plausibilität des Krankheitsgeschehens zu erkunden.

Des Weiteren könnten Depressionen auch als Komorbidität zum Beispiel bei Demenz und Alzheimer, Diabetes mellitus, Hypovitaminosen, Multipler Sklerose, Schilddrüsen- oder Krebserkrankungen auftreten. »So oder so: Immer müssen sie behandelt werden«, unterstrich Renner.

Als psychische Symptome einer Depression schilderte die Referentin im weiteren Verlauf ihrer Ausführungen Angst, Traurigkeit und emotionale Leere, Entscheidungsunfähigkeit, Schuldgefühle, Desinteresse und Konzentrationsprobleme. Psychomotorisch könnten eine geringe Mimik, Bewegungsarmnut und Stupor, andererseits aber auch Agitiertheit, Unruhe und ein leerer Beschäftigungsdrang zum Tragen kommen. 

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