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Karpaltunnelsyndrom
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Handgelenksschiene ohne entscheidenden Vorteil

Patienten mit einem Karpaltunnelsyndrom erhalten als Standardtherapie oft eine starre Handgelenksschiene. Eine neue Studie stellt diesen Ansatz jedoch infrage.
AutorKontaktJohanna Hauser
Datum 14.04.2026  12:00 Uhr

Schiene und Placebo sind gleichwertig

Die Auswertung der Daten, die kürzlich im »New England Journal of Medicine Evidence« veröffentlicht wurde, ergab, dass sich in beiden Gruppen die Symptome leicht besserten. Der Unterschied zwischen Schiene und Placebo war jedoch statistisch nicht signifikant (adjustierte mittlere Differenz 0,08). Nach einem Jahr wurden in beiden Gruppen ähnlich viele Patienten operiert (57,1 Prozent in der Schienengruppe gegenüber 51,4 Prozent in der Placebogruppe). Auch dieser Unterschied war nicht signifikant.

Die gemessenen Verbesserungen auf dem CTS-Score lagen bei −0,36 Punkte in der Gruppe mit der Handgelenksschiene und bei −0,28 Punkte in der Placebo-Gruppe. In beiden Gruppen traten nur leichte, lokale Nebenwirkungen auf.

Standardtherapie überdenken

Die Studie zeigt, dass eine Handgelenksschiene weder die Symptome des Karpaltunnelsyndroms besser lindert als eine weiche Bandage noch die Wahrscheinlichkeit für eine Operation senkt. Hinzu kommt eine fehlende klinische Relevanz für eine der beiden Maßnahmen: die beobachtete Verbesserung anhand des CTS-Scores blieb deutlich unter der definierten Schwelle von -0,9 Punkten für eine klinisch relevante Veränderung und gilt daher als für die Betroffenen nicht spürbar relevant.

Somit stellt die Studie eine gängige Therapie infrage. Das Placebo-kontrollierte Design verleiht den Ergebnissen zusätzliches Gewicht und verdeutlicht, dass wirksame Behandlungsformen nötig sind, mit denen sich eine Operation beim Karpaltunnelsyndrom vermeiden lässt.

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