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Karpaltunnelsyndrom
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Handgelenksschiene ohne entscheidenden Vorteil

Patienten mit einem Karpaltunnelsyndrom erhalten als Standardtherapie oft eine starre Handgelenksschiene. Eine neue Studie stellt diesen Ansatz jedoch infrage.
AutorKontaktJohanna Hauser
Datum 14.04.2026  12:00 Uhr

Das Karpaltunnelsyndrom (CTS) beschreibt eine Nervenkompression im Handgelenk, die mit Schmerzen, Kraftverlust und Taubheitsgefühlen in der Hand einhergeht. Als Auslöser kommen verschiedene Faktoren infrage, wie beispielsweise eine Überlastung, eine Sehnenscheidenentzündung aber auch hormonelle Veränderungen.

Als Standardtherapie erhalten Betroffene oft eine Handgelenksschiene, obwohl es für deren Einsatz bislang keine eindeutige Evidenz gibt. Dies veranlasste eine Gruppe um Dr. Isam Atroshi von der Universität Lund in Schweden, zu untersuchen, ob eine Schiene die Symptome besser lindert als Placebo und eine Operation vermeidbar macht.

An der kleinen randomisierten, placebokontrollierten Studie nahmen 142 Patienten teil, die seit mindestens vier Wochen an einem Karpaltunnelsyndrom litten, ohne eine Behandlung erhalten zu haben. 70 Teilnehmer erhielten eine Handgelenksschiene, 72 Teilnehmer eine weiche Bandage (Placebo). Primärer Endpunkt war eine Symptomverbesserung nach zwölf Wochen: Die Behandlung erfolgte zunächst über sechs Wochen, bei fortbestehenden Beschwerden wurde sie für weitere vier Wochen verlängert. Hatten die Teilnehmer am Ende der Nachbeobachtungszeit (nach insgesamt zwölf Wochen) nach wie vor Symptome, konnte eine Operation in Betracht gezogen werden.

Ein weiterer Endpunkt war der Rückgang der Beschwerden anhand des Six-Item CTS Symptom Severity Score (CTS-Score) mit einer Skala von eins bis fünf. Hierbei handelt es sich um einen Kurzfragebogen, mit dem sich Schwere und Verlauf der Symptome beim Karpaltunnelsyndrom standardisiert erfassen lassen. Der Score besteht aus 6 Fragen zu typischen CTS Beschwerden, jede Frage wird auf einer Skala von 1 (keine Beschwerden) bis 5 (sehr starke Beschwerden) beantwortet. Der Gesamtscore bildet der Mittelwert der sechs Einzelwerte. Eine Veränderung von mindestens 0,9 Punkten gilt als klinisch relevant spürbare Verbesserung für die Betroffenen.

Schiene und Placebo sind gleichwertig

Die Auswertung der Daten, die kürzlich im »New England Journal of Medicine Evidence« veröffentlicht wurde, ergab, dass sich in beiden Gruppen die Symptome leicht besserten. Der Unterschied zwischen Schiene und Placebo war jedoch statistisch nicht signifikant (adjustierte mittlere Differenz 0,08). Nach einem Jahr wurden in beiden Gruppen ähnlich viele Patienten operiert (57,1 Prozent in der Schienengruppe gegenüber 51,4 Prozent in der Placebogruppe). Auch dieser Unterschied war nicht signifikant.

Die gemessenen Verbesserungen auf dem CTS-Score lagen bei −0,36 Punkte in der Gruppe mit der Handgelenksschiene und bei −0,28 Punkte in der Placebo-Gruppe. In beiden Gruppen traten nur leichte, lokale Nebenwirkungen auf.

Standardtherapie überdenken

Die Studie zeigt, dass eine Handgelenksschiene weder die Symptome des Karpaltunnelsyndroms besser lindert als eine weiche Bandage noch die Wahrscheinlichkeit für eine Operation senkt. Hinzu kommt eine fehlende klinische Relevanz für eine der beiden Maßnahmen: die beobachtete Verbesserung anhand des CTS-Scores blieb deutlich unter der definierten Schwelle von -0,9 Punkten für eine klinisch relevante Veränderung und gilt daher als für die Betroffenen nicht spürbar relevant.

Somit stellt die Studie eine gängige Therapie infrage. Das Placebo-kontrollierte Design verleiht den Ergebnissen zusätzliches Gewicht und verdeutlicht, dass wirksame Behandlungsformen nötig sind, mit denen sich eine Operation beim Karpaltunnelsyndrom vermeiden lässt.

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