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Prognose des Studienerfolgs

HAM-Nat als Eignungstest im Pharmaziestudium

Generell sei es bei neuen Studieneignungstests zu Beginn schwierig, valide Aussagen zur Prognosekraft zu machen. Es dauere eine gewisse Zeit bis genügend Testergebnisse und Daten zum Studienerfolg vorliegen, die man miteinander korrelieren könne, erklärt Hampe. Um vorläufig zu untersuchen, ob der HAM-Nat den Studienerfolg in der Pharmazie voraussagen kann, führten Hampe und sein Team den HAM-Nat bereits im Jahr 2018 mit 50 freiwilligen Pharmaziestudierenden des ersten Semesters durch. Deren Abschneiden im Test wurde mit ihrem »Studienerfolg« bis zum Sommer 2020 korreliert. Als Studienerfolgskriterium wurden dabei die Leistungen von 13 Prüfungen der ersten vier Semester herangezogen. Die Ergebnisse der Auswertungen zeigen, dass der Studienerfolg hochsignifikant mit dem naturwissenschaftlichen Wissensteil (r = 0,55) und dem Testmodul »Figurale Matrizen« (r=0,43), aber nicht mit der Abiturnote und anderen Testmodulen korreliert.

»Uns hat überrascht, wie gut die Naturwissenschaftsfragen funktionieren, um den Studienerfolg vorherzusagen«, sagt Hampe. Die Korrelation sei weitaus höher als die Werte, die man aus anderen Studieneignungstests kenne. Die geringe Korrelation der Abiturnote sei vermutlich darauf zurückzuführen, dass ausschließlich Personen mit guten Abiturnoten am Test teilgenommen haben, erklärt er. Dadurch werde der Beitrag der Abiturnote zur Prognose des Studienerfolgs wahrscheinlich unterschätzt.

»Der HAM-Nat ist ein Auswahlkriterium, das zur Abiturnote hinzugezogen werden kann, um den Studienerfolg im Fach Pharmazie besser vorauszusagen«, resümiert Hampe. In Regressionsmodellen ermittelt sein Team, ob der HAM-Nat als zusätzliches Kriterium in der Vorhersage des Studienerfolgs neben der Abiturnote nützt. Die Untersuchungen haben ergeben, dass die aufgeklärte Varianz des Studienerfolgs allein unter Einbezug des Naturwissenschaftsteils des HAM-Nat von 7,6 Prozent (ausschließlich Abiturnote) auf fast 30 Prozent steigt.

Grenzen des Tests

Gleichzeitig weist Hampe klar auf die Grenzen des HAM-Nat hin: »Mit dem Test bilden wir natürlich nicht ab, wie gut jemand im Labor experimentieren kann.« Der Studieneignungstest gebe jedoch schon eine Richtung vor, ergänzt Lemcke. »Wenn jemand von Anfang an weiß, dass das Studium mit vielen naturwissenschaftlichen Disziplinen und Laborarbeiten zusammenhängt, dann ist der tatsächliche Laborschock im Endeffekt nicht so groß.«

Hampe und sein Team planen, noch weitere Modulnoten aus noch folgenden Semestern in die Berechnungen einzubeziehen, um deren Aussagekraft weiter zu erhöhen. Bisher wird der HAM-Nat neben Hamburg an dem Standort Greifswald angeboten. Doch Hampe und sein Team stehen Kooperationen mit anderen Universitäten, die den HAM-Nat zur Studienauswahl heranziehen möchten, offen gegenüber.

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