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Halsschmerzen immer hinterfragen

Eine Erkältung beginnt oft mit Halsschmerzen. Doch den Schmerzen können auch ganz andere Ursachen zugrunde liegen. Bahnt sich eine schwere Infektion an, macht die Schilddrüse Probleme, bestehen Schluckstörungen oder Atemnot? Oder handelt es sich um eine Arzneimittelnebenwirkung? Nachfragen lohnt sich.
AutorKontaktBarbara Staufenbiel
Datum 17.03.2022  11:00 Uhr

Halsschmerzen als Arzneimittelnebenwirkung

Im Zusammenhang mit Arzneimitteln nennt die Leitlinie besonders die Nebenwirkung von ACE-Hemmern, Chemotherapeutika und inhalativen Corticoiden. Bei etwa jedem fünften Patienten mit ACE-Hemmer-Dauermedikation kommt es aufgrund einer Akkumulation von Bradykinin zu Reizhusten mit schmerzhaften Halsbeschwerden. Nicht immer ist dieser Zusammenhang für Arzt und Patient eindeutig, sodass die Apotheke aufklären und gegebenenfalls beim Arzt den Wechsel auf ein Sartan anstoßen kann.

Zu denken ist auch an die sehr seltene, aber potenziell lebensbedrohliche Arzneimittelnebenwirkung Agranulozytose. Diese führt zu schmerzhaften Schleimhautnekrosen im Bereich von Pharynx und Tonsillen, Fieber sowie Schüttelfrost. Diese Typ-II-Allergie kann von vielen, ganz verschiedenen Arzneistoffen, zum Beispiel Analgetika (Metamizol), Antipsychotika (Clozapin) und Thyreostatika (Thiamazol, Carbimazol) ausgelöst werden. Erste Maßnahme: die Medikamente sofort absetzen.

Die Xerostomie beschreibt das Symptom der Mundtrockenheit, das sich ab einer 50-prozentigen Reduktion des Speichels bemerkbar macht. Neben verschiedenen Grunderkrankungen wird die Xerostomie durch die anticholinerge Wirkung und Nebenwirkung von ungefähr 400 verschiedenen Arzneistoffen verursacht oder verschärft. Die reduzierte Mundfeuchte erhöht die Anfälligkeit für Schluckstörungen und schmerzhafte Schleimhautläsionen im Mund und Rachen. Das Apothekenteam sollte bei Verdacht über diese Nebenwirkungen aufklären und bei einem Medikationsmanagement mit dem Arzt den Wechsel eines Arzneimittels besprechen.

Werden Arzneimittel richtig eingenommen?

Halsschmerzen können auch ein Begleitsymptom von Mundsoor sein. Die Pilzinfektion mit Candida albicans wird häufig durch eine falsche Inhalationstechnik von Glucocorticoiden provoziert. Daher ist es sehr wichtig, auch Patienten, die vermeintlich genau wissen, wie sie ihre Arzneimittel einzunehmen haben, immer wieder auf das Ausspülen des Mundes nach der Inhalation zu verweisen.

NSAR, Eisenpräparate, Kaliumchlorid, Bisphosphonate und verschiedene Chemotherapeutika wirken zelltoxisch und reizen die Atemwegsschleimhäute, wenn sie nicht korrekt geschluckt werden. Das Apothekenpersonal sollte daher nicht müde werden, immer wieder zur korrekten Einnahme zu beraten und nach Routineabläufen zu fragen.

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