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Halsschmerzen immer hinterfragen

Eine Erkältung beginnt oft mit Halsschmerzen. Doch den Schmerzen können auch ganz andere Ursachen zugrunde liegen. Bahnt sich eine schwere Infektion an, macht die Schilddrüse Probleme, bestehen Schluckstörungen oder Atemnot? Oder handelt es sich um eine Arzneimittelnebenwirkung? Nachfragen lohnt sich.
AutorKontaktBarbara Staufenbiel
Datum 17.03.2022  11:00 Uhr

Nicht infektiologische Ursachen

Bestehen Halsbeschwerden wiederholt oder länger als 14 Tage und ergibt sich kein Hinweis auf schwerwiegende Symptome oder einen akuten Infekt, so ist von nicht infektiösen Ursachen auszugehen. Dazu gehören anatomische Probleme, Schleimhautirritationen oder Arzneimittelnebenwirkungen.

Alkohol und Rauchen reizen die empfindlichen Schleimhäute. Zahlreiche Umweltfaktoren, Autoabgase oder industriell bedingte Luftverschmutzung können länger andauernde oder wechselnde Halsbeschwerden verursachen, ohne dass immer eindeutig eine Noxe zuzuordnen ist. Im Winter trocknet die Heizung die Raumluft aus, im Sommer belasten Allergene und Ozon. Müssen FFP2-Masken und Mundschutz über mehrere Stunden getragen werden, ist die Luftzirkulation im Mundbereich gestört; dann verliert die Schleimhaut an Feuchtigkeit. Auch Schnarchen und Schlafen mit geöffnetem Mund führen zu einem trockenen Gefühl im Rachen. Ärztliche Untersuchungen wie eine Magenspiegelung oder eine tracheale Intubation reizen.

Je nach Intensität der Beschwerden können leitliniengerecht in der Apotheke Lutschtabletten mit Lokalanästhetika oder NSAR sowie eine systemische Behandlung mit NSAR empfohlen werden. Ebenso können die unter Allgemeinmaßnahmen beschriebenen Arzneimittel und nicht evidenzbasierte Phytopharmaka den Heilungsprozess unterstützen.

Ein gastroösophagealer Reflux oder Entzündungen der Speiseröhre reizen die Pharynxschleimhaut. Leitsymptom sind Halsschmerzen und Heiserkeit. Ein immer wieder auftauchendes Kloß- oder Druckgefühl oder persistierende Schluckbeschwerden im Rachen müssen abgeklärt werden. Darauf sollte das Apothekenpersonal die Patienten hinweisen und sie auch an jährliche Kontrolluntersuchungen der Schilddrüse erinnern. Schilddrüsenerkrankungen sind häufig mit Halsschmerzen assoziiert oder können sogar das führende Symptom einer neu diagnostizierten Thyreoiditis sein.

Eine Erkältung kann noch länger nachwirken und schon vergessene Halsschmerzen wieder aufflackern lassen. Ursache ist hier nicht der Erreger selbst, sondern ein andauernder Hustenreiz oder ein Postnasal Drip (eine Überproduktion von Schleim aus Nase und Nebenhöhlen, die sich im Rachenbereich staut und zu lokalen Reizungen führt). Dabei kommt es durch die Überproduktion von Schleim infolge einer Rhinitis oder Rhinosinusitis allergischen oder nicht allergischen Ursprungs, aber auch hormonell bedingt (Schwangerschaft) zu Räusperzwang, Reizgefühl im Rachen, Heiserkeit oder Schmerzen. Das Apothekenpersonal sollte dem Patienten zu einer ärztlichen Differenzialdiagnose oder auch einem Allergietest raten.

In seltenen Fällen wird eine Pharyngitis durch eine Vaskulitis wie die Kawasaki-Krankheit verursacht.

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