| Theo Dingermann |
| 09.07.2026 11:30 Uhr |
Bei Patienten mit ALL, die nach einer Blinatumomab-Therapie noch eine minimale Resterkrankung (MRD) aufweisen, kann sich eine Behandlung mit Inotuzumab Ozogamicin lohnen. / © Getty Images/sudok1
Die minimale Resterkrankung (MRD) gilt als der stärkste einzelne Prädiktor für Rezidiv und Überleben bei der akuten lymphoblastischen Leukämie (ALL). Ihre Eradikation durch neuartige Therapien wie den bispezifischen Antikörper Blinatumomab hat zu einem langfristigen Überleben bei Patienten geführt, die zwar auf die Chemotherapie angesprochen haben, aber weiterhin MRD-positiv waren. Angesichts des zunehmenden Einsatzes dieses Antikörpers bereits in der Erstlinie stellt sich jedoch immer dringlicher die Frage nach wirksamen Alternativen für Patienten, die nach Blinatumomab MRD-positiv bleiben.
Eine Arbeitsgruppe um Professor Dr. Elias Jabbour am MD Anderson Cancer Center publiziert nun im Fachblatt »Blood Cancer Journal« die Langzeitauswertung einer monozentrischen Phase-II-Studie, deren Ziel es war, das Potenzial von Inotuzumab Ozogamicin (Besponsa®) hinsichtlich der MRD-Eradikation zu bewerten. Inotumumab Ozogamicin ist ein gegen das Oberflächenprotein CD22 gerichtetes, an Calicheamicin gekoppeltes Antikörper-Wirkstoff-Konjugat.
Eingeschlossen in die Auswertung wurden 37 Erwachsene mit B-Zell-ALL in morphologischer Remission, aber mit nachweisbarer MRD. Das Dosierungsschema war mit 0,6 mg/m² an Tag 1, dann 0,3 mg/m² an Tag 8 im ersten Zyklus und danach 0,3 mg/m² an den Tagen 1 und 8 für bis zu sechs 28-Tage-Zyklen bemerkenswert konservativ. Bei Philadelphia-Chromosom-positiver Erkrankung (Ph+) war die begleitende Gabe eines Tyrosinkinase-Inhibitors erlaubt. Patienten, die nach zwei Zyklen keine MRD-Negativität erreichten, galten als Non-Responder.
Nach median drei Zyklen erreichten 26 von 37 Patienten (70 Prozent) MRD-Negativität, 76 Prozent in der Ph-negativen und 65 Prozent in der Ph-positiven Gruppe. Klinisch besonders relevant war, dass eine MRD-Negativitätsrate nach einer Next-Generation-Sequenzierung (NGS) bei 73 Prozent (11/15) lag, und dies bereits nach median nur einem Behandlungszyklus. Damit belegt die Arbeit, dass Inotuzumab Ozogamicin nicht nur die durchflusszytometrische Nachweisgrenze unterschreitet, sondern Remissionstiefen auf einem Nachweisniveau erreicht, das in mehreren Kohorten mit dem Verzicht auf eine konsolidierende Transplantation assoziiert ist.
Der praktisch bedeutsamste Befund betrifft die vorbehandelte Population. Unter den 24 Blinatumomab-exponierten Patienten lag die MRD-Negativitätsrate über 50 Prozent, in der Ph-negativen Subgruppe bei 73 Prozent (8/11). Zum Vergleich zitieren die Forschenden die Phase-II-Studie GIMEMA ALL2418, in der lediglich einer von fünf mit Blinatumomab vorbehandelten Patienten (20 Prozent) auf Inotuzumab Ozogamicin ansprach.