| Christina Hohmann-Jeddi |
| 18.03.2026 18:00 Uhr |
Um den Urlaub in der Ferne genießen zu können, ist medizinische Vorsicht wichtig – dazu zählt auch die rechtzeitige Impfung gegen eine Reihe von Tropenkrankheiten. / © Getty Images/MesquitaFMS
In der Reisemedizin sind auch die tröpfchenübertragenen Infektionen wie Covid-19 oder Grippe wichtig. »Sie werden aber häufig vernachlässigt«, sagte Professor Dr. Tomas Jelinek, wissenschaftlicher Leiter des Centrums für Reisemedizin Düsseldorf (CRM), bei einer Veranstaltung des CRM. Dabei seien diese Erkrankungen viel häufiger als die klassischen Tropenkrankheiten. Gerade dort, wo viele Menschen auf engem Raum sind, etwa auf Kreuzfahrten oder bei Großveranstaltungen, hätten Reisende ein deutlich erhöhtes Risiko für solche Infektionen.
»Dazu gehört auch Corona«, sagte der Mediziner. In dem Bereich tue sich derzeit viel. Zum einen werden die Covid-19-Impfstoffe Comirnaty® und Nuvaxovid® ab diesem Jahr in Einzeldosis-Behältnissen auf den Markt kommen, die bisher noch in Sammelampullen verfügbar sind. Zum anderen wurden zwei neue mRNA-basierte Impfstoffe gegen SARS-CoV-2 von Moderna zugelassen: der niedrig dosierte Impfstoff mNexspike® und der Kombiimpfstoff mCombriax® gegen Covid-19 und Grippe.
Das Portfolio werde somit größer, insgesamt sei es aber egal, welcher Impfstoff verwendet werde, solange Risikopersonen einen Schutz erhalten, sagte Jelinek. Das gilt auch für Grippe: »Influenza-Impfungen sollte man breit einsetzen bei Reisenden – eigentlich bei jedem, der reist.« Zu erwägen sei auch eine Impfung gegen RSV – alle drei hier zugelassenen Impfstoffe können inzwischen ab 18 Jahren eingesetzt werden.
Jelinek berichtete auch über Neuerungen bei Impfungen gegen klassische Tropenkrankheiten. Ein Beispiel ist Gelbfieber: Da die Erkrankung schwer verlaufen kann, sollte die Impfung nachdrücklich empfohlen werden, riet er. Zur Verfügung steht hierfür der Lebendimpfstoff Stamaril®.
Die in der Fachinformation enthaltene Warnung, dass bei Personen ab 60 Jahren ein potenziell erhöhtes Risiko für schwere Impfstoff-assoziierte Erkrankungen bestehe, sollte differenziert betrachtet werden. Es komme mehr auf Gebrechlichkeit an als auf das chronologische Alter, sagte der Reisemediziner. Personen, die auf Kreuzfahrten oder Weltreisen gingen, seien in der Regel fit und könnten die Impfung vertragen – und hätten außerdem ein Recht auf einen Gelbfieber-Schutz. »Gebrechliche und Immunsupprimierte Personen sollte man nicht impfen.«
Ein weiterer Diskussionspunkt bei der Gelbfieber-Impfung ist die Auffrischung. Eine einmalige Impfung bietet in der Regel einen lebenslangen Schutz und ist auch laut Weltgesundheitsorganisation (WHO) für den internationalen Reiseverkehr lebenslang gültig. Die Ständige Impfkommission (STIKO) empfiehlt jedoch seit 2022 für bestimmte Reisende eine Auffrischimpfung nach zehn Jahren, wenn ein erneutes Expositionsrisiko besteht. »Mehreren Metaanalysen zufolge ist diese Auffrischung bei Immungesunden nicht nötig«, sagte Jelinek. Für die allermeisten Länder ist eine einmalige Gelbfieber-Impfung ausreichend.
Gut etabliert hat sich inzwischen auch die Impfung gegen Dengue, für die zwei Impfstoffe zugelassen sind, wobei nur einer – Qdenga® von Takeda – einsetzbar ist. Die Vakzine Dengvaxia® von Sanofi sei wegen des sogenannten Antibody-dependent Enhancings (ADE), also einer verstärkten Erkrankung bei Geimpften, nicht mehr verfügbar. Bei Qdenga sei dieses Phänomen nicht zu beobachten.
Der Impfstoff sei Studien zufolge gut verträglich – auch wenn er zusammen mit anderen Impfstoffen etwa gegen Tollwut, Typhus oder Japanische Enzephalitis gegeben wurde. Weltweit seien inzwischen mehr als 20 Millionen Dosen appliziert worden, vor allem in großen Impfkampagnen in Südamerika, und es gebe keine Signale für ein ADE, berichtete Jelinek.
Ein Problem gebe es aber: Die Schutzwirkung gegen Serotyp 3 (DENV-3) falle gering aus. Insgesamt – über alle Serotypen hinweg – betrage die Schutzwirkung 80 Prozent gegen Infektionen und mehr als 90 Prozent gegen Komplikationen. Der Lebendimpfstoff sollte Reisenden in Endemiegebiete angeboten werden. Schwangere, Stillende, Immunsupprimierte und Kinder bis zum fünften Geburtstag dürfen ihn nicht erhalten.
Reiseimpfungen sollte man Wochen vor der eigentlichen Abreise erhalten, um eine Immunantwort entwickeln zu können. / © Adobe Stock/iStocker
Auch gegen Chikungunya stehen inzwischen zwei Vakzinen zur Verfügung; bei beiden ist nur eine Impfdosis nötig, um eine gute Schutzwirkung zu induzieren. Bei Ixchiq® handelt es sich um einen Lebendimpfstoff, bei Vimkunya® um einen Totimpfstoff. Für Letzteren gebe es Daten, dass die Antikörperantwort rasch auftrete, was bei kurzfristigen Impfungen nicht unerheblich sei. Für den Lebendimpfstoff lägen dagegen schon Langzeitdaten vor, die einen mindestens vierjährigen Schutz zeigten.
Während die STIKO die Impfung nur für Reisende in Ausbruchsgebiete empfiehlt, spricht sich die Deutsche Fachgesellschaft für Reisemedizin (DFR) dafür aus, die Impfung für Reisende in Endemiegebiete insgesamt zu erwägen. Die Begründung: Zum Zeitpunkt einer notwendigen Impfung (also Wochen vor der Abreise) könne man nicht absehen, wo zum Zeitpunkt der Reise Ausbrüche vorliegen.
Bei Reisenden, vor allem bei Kindern und Jugendlichen, können auch Impfungen gegen Meningokokken der Serogruppen A, C, W und Y beziehungsweise Meningokokken B oder beides sinnvoll sein. Während sich die ACWY-Impfstoffe sehr ähnelten, gebe es bei den B-Impfstoffen Unterschiede, erklärte Jelinek. So enthalte Bexsero® vier Antigene der Bakterienhülle, Trumenba® dagegen nur zwei, biete aber laut Studiendaten den umfangreicheren Schutz. Der Impfstoff ist erst ab dem vollendeten zehnten Lebensjahr zugelassen, während Bexsero ab dem zweiten Lebensmonat eingesetzt werden kann. In den USA gebe es bereits zwei pentavalente Impfstoffe (ABCWY), die aber beide auf »absehbare Zeit« nicht in Europa auf den Markt kommen werden, berichtete der Referent.
Eine Besonderheit bei Bexsero sei, dass er durch eine Kreuzimmunität auch gegen Gonorrhoe (Tripper) schützt. Die verursachenden Gonokokken (Neisseria gonorrhoeae) gehören zur gleichen Gattung wie die Meningokokken (Neisseria meningitidis). In zwei Regionen Europas, in England und Galizien (Spanien), laufen bereits Impfprogramme mit der Vakzine gegen die Geschlechtskrankheit, bei der Risikopersonen den Impfstoff außerhalb der Zulassung erhalten.
Das Virus SARS-CoV-2 hat unsere Welt verändert. Seit Ende 2019 verbreitet sich der Erreger von Covid-19 und stellt die Wissenschaft vor enorme Herausforderungen. Sie hat sie angenommen und rasch Tests und Impfungen, auch für Kinder, entwickelt. Eine Übersicht über unsere Berichterstattung finden Sie auf der Themenseite Coronavirus.