Widrige Umstände erschweren den Aufenthalt: Mund- und Rachentherapeutika helfen, den Frosch im Hals zu vertreiben. / © Getty Images/Muhammad Ridha
Die Schleimhaut stellt nicht nur eine physikalische Barriere dar, sondern durch das integrierte Mukosa-assoziierte lymphatische Gewebe (MALT-System) ist sie auch in ihrer Funktion ein »Schutzschild«. Die gesamte innere Oberfläche vieler (Hohl-)Organe des Körpers ist quasi mit Schleimhaut ausgekleidet. Der dieser Mukosa aufliegende viskose Schleim (Mucus) wird von Becherzellen in der Epithelschicht freigesetzt und arbeitet eng mit den darunterliegenden Strukturen des MALT zusammen.
Dieses System besteht aus einer Vielzahl von Immunzellen, darunter Makrophagen, Lymphozyten und dendritische Zellen, die darauf spezialisiert sind, Krankheitserreger zu erkennen und zu bekämpfen. Das Mukosagewebe enthält etwa drei Viertel aller Lymphozyten und auch die meisten Immunglobuline A werden hier produziert. Insofern ergänzt das MALT-System die systemische Immunabwehr an erster Front.
Je nach Körperregion ist das MALT unterschiedlich ausgeprägt und wird entsprechend benannt. Am besten untersucht ist das mit dem Gastrointestinaltrakt assoziierte GALT (gut-associated lymphoid tissue), das Ansammlungen von Lymphfollikeln in Form von Peyer’s Plaques im Dünndarm, den Appendix vermiformis (Wurmfortsatz) und zahlreiche isolierte lymphatische Follikel im gesamten Darm umfasst. Immerhin sitzen rund 80 Prozent des Immunsystems im Darm.
Das Bronchien-assoziierte lymphatische Gewebe (BALT) ist in den unteren Atemwegen und den Bronchien lokalisiert, während das NALT-System mit Lymphgewebe in Mund, Nasenhöhle und Pharynx einschließlich der Tonsillen für die Immunabwehr im Nasen-Rachen-Raum bereitsteht. Zudem scheint auch das jeweils ansässige Mikrobiom eine wichtige Rolle für die Toleranzentwicklung zu spielen.
Den der Mukosa aufliegenden viskosen Schleim kann man sich wie einen feuchten Schutzfilm vorstellen. Diese natürliche Gelauflage kann freilich durch so manche Faktoren beeinträchtigt werden. Dazu gehören allen voran Krankheitserreger wie Viren, aber auch Allergieauslöser wie Pollen, die in der Schleimhaut für lokale Entzündungsreaktionen sorgen, wenn die Epithelzellen geentert wurden. Aber auch eine Überbeanspruchung durch lautes und häufiges Sprechen sowie verschiedene Medikamente wie Antihistaminika, Antihypertensiva oder Antidepressiva lassen die Mundschleimhaut austrocknen. Das schränkt deren Barrierefunktion ein. Eine ausgetrocknete Schleimhaut ist rau, wund, hypersensibel und fühlt sich deshalb unangenehm an.
Es gibt verschiedene Möglichkeiten, die Mukosa zu beruhigen. So bilden etwa die in Schleimstoff-haltigen Drogen wie Isländisch Moos oder Eibisch enthaltenen Polysaccharide eine Art Schutzfilm, der sich an die Schleimhaut heftet. Durch diese mucilaginöse Wirkung wird das entzündete Epithel vor weiteren Reizen geschützt.
Eine befeuchtende Wirkung bringen Rachentherapeutika mit Glycerin und der Peptidase Trypsin (ViruProtect® Erkältungsspray für den Rachen), mit Hyaluronsäure (wie Gelotonsil® Gurgelgel, Isla® med, GeloRevoice® Halstabletten) oder mit Propolis (Wick® Propolis Rachenspray und Lutschtabletten). Eine schleimhautstärkende Wirkung wird auch Ectoin (wie in Naturalis® Mund- und Rachenspray, Pari® protect Nasenspray )zugeschrieben, einer Substanz, die einst aus Mikroorganismen in der Nähe von Geysiren gewonnen wurde.
Grundsätzlich gilt: Je länger die jeweilige Substanz Kontakt mit dem Mund-Rachen-Raum hat, umso besser kann sie ihre Wirkung vermitteln. Die längste Einwirkdauer bieten Hyaluronsäure-Gurgellösungen und Lutschtabletten. Diese sollten dabei möglichst langsam gelutscht und nicht zerkaut werden. Mit ihnen erreicht der Wirkstoff mittels Speichel auch den Rachenraum. Unmittelbar nach der Anwendung einer Gurgellösung oder eines Sprays sollte nicht gegessen oder getrunken werden.
Ein weiterer Grundsatz ist: Die Darreichungsform muss zum Anwender passen. Das Gurgeln stellt manchen vor technische Probleme, Sprays verursachen womöglich einen Brechreiz. Während der Anwendung eines Sprays sollte zudem nicht geatmet werden, damit das Spray nicht versehentlich inhaliert wird. Kinder müssen in der Lage sein, eine Lutschtablette über einen längeren Zeitraum im Mund zu behalten.
Medizinisch gesehen ist eine Ranula (auch bekannt als Fröschleingeschwulst oder Mundbodenzyste) eine gutartige, mit Speichel gefüllte Schleimzyste im Mundboden unter der Zunge. Verursacht wird sie durch Läsionen der großen Speicheldrüse. Im Lateinischen steht »rana« für Frosch. Ranula bedeutet wörtlich »kleiner Frosch«. So ist vermutlich im Laufe der Zeit der berühmte Frosch im Hals entstanden.