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Covid-19-Impfstoffe

GSK produziert Wirkverstärker für eine Milliarde Impfstoffdosen

Der britische Pharmakonzern kündigt an, im kommenden Jahr eine Milliarde Dosen seines Pandemie-Impfstoff-Adjuvansystems herzustellen. Damit sollen verschiedene Covid-19-Impfstoff-Kooperationen unterstützt werden. 
Daniela Hüttemann
29.05.2020
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Glaxo-Smith-Kline (GSK) hatte sich bereits vor einiger Zeit dagegen entschieden, selbst einen Impfstoff gegen SARS-CoV-2 zu entwickeln. Das Unternehmen sei jedoch der Ansicht, dass seine Pandemie-Adjuvans-Technologie einen bedeutenden Beitrag zur Bekämpfung von COVID-19 leisten könnte, teilte GSK am Donnerstag mit. 

Der Zusatz des Wirkverstärkers könne die benötigte Menge des Impfproteins pro Dosis reduzieren. Dadurch könnten schneller mehr Impfdosen produziert werden. Beim Pandemie-Impfstoff-Adjuvanzsystem von GSK handelt es sich um den Wirkverstärker AS03, der erstmals 2009 in Pandemrix®, dem Pandemie-Impfstoff gegen das Schweinegrippe-Virus H1N1, zum Einsatz kam. Es besteht aus Squalen, DL-α-Tocopherol und dem Emulgator Polysorbat 80. Manche Kritiker machten AS03 für das vereinzelte Auftreten von Narkolepsie-Erkrankungen nach einer Impfung verantwortlich. Der Verdacht konnte bislang nicht bestätigt werden, vermutlich war das Grippevirus selbst der Auslöser. Das Adjuvanz soll Zytokine, ­Monozyten und Makrophagen stimulieren, um die Antigenpräsentation zu verbessern. Es erzeugt eine stärkere und länger anhaltende Immunität als nicht-adjuvantierte Impfstoffe.

GSK habe bereits mehrere Kooperationen mit wissenschaftlichen Partnern in Nordamerika, Europa und China vereinbart, die vielversprechende Covid-19-Vakzinen entwickeln. Zusätzliche Gespräche seien im Gange. »Wir glauben, dass mehr als ein Impfstoff benötigt wird, um dieser Pandemie zu begegnen«, so Roger Connor, Präsident von GSK Global Vaccines.

GSK und sein französischer Konkurrent Sanofi hatte bereits Mitte April angekündigt, gemeinsam einen Impfstoff entwickeln zu wollen. GSKs Adjuvanz soll Sanofis experimentellen DNA-Impfstoff verstärken. Medienberichten zufolge sollen zu den Partnern auch die chinesischen Unternehmen Clover Biopharmaceuticals und Innovax Biotech handeln sowie die Coalition for Epidemic Preparedness Innovations (CEPI), die zahlreiche Unternehmen und Forschungseinrichtungen unterstützt.

GSK habe bereits sein weltweites Liefernetzwerk überprüft und will nun die Produktionskapazitäten erhöhen. Es will so im kommenden Jahr genügend Adjuvanz für bis zu einer Milliarde Impfstoffdosen zur Verfügung stellen können. So können viel mehr Menschen gegen Covid-19 geschützt werden. Der Wirkverstärker soll an Standorten in Europa einschließlich Großbritannien, den USA und Kanada hergestellt und abgefüllt werden. Die Produktion habe bereits auf eigenes finanzielles Risiko begonnen.

Das Unternehmen führe derzeit Gespräche mit Regierungen und globalen Institutionen über die Finanzförderung der Produktion und Lieferung des Adjuvans. Der Konzern habe sich verpflichtet, seinen Wirkverstärker im Rahmen von Prozessen zur Verfügung zu stellen, die einen fairen Zugang für Menschen auf der ganzen Welt ermöglichen. Auch zu Spenden sei GSK bereit. Insgesamt rechnet das Unternehmen nicht damit, durch die Kooperationen für Covid-19-Impfstoffe, Geld zu verdienen. Eventuell erwirtschaftete Gewinne sollen in die Coronavirus-Forschung und langfristige Pandemievorsorge gehen.

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