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Medizin-Nobelpreis 2020

Grundlagenforschung zu Hepatitis C ausgezeichnet

Die Grundlagenforschung der diesjährigen Medizin-Nobelpreisträger ebnete den Weg für die Entwicklung von effektiven Wirkstoffen gegen HCV. Einen großen Beitrag hierzu leistete auch Professor Dr. Ralph Bartenschlager von der Universität und dem Deutschen Krebsforschungszentrum Heidelberg, dem es erstmals gelang, HCV im Labor zu vermehren. Professor Dr. Michael Manns von der Medizinischen Hochschule Hannover äußerte deshalb gegenüber der Nachrichtenagentur dpa sein Bedauern, dass nicht auch Bartenschlager zu den Preisträgern gehört: »Die Auszeichnung ist absolut verdient und überfällig. Ich hätte mir gerne noch einen vierten Preisträger gewünscht, Ralf Bartenschlager aus Heidelberg. Er hätte es auch absolut verdient.«

Die Therapiemöglichkeiten bei HCV haben sich in den vergangenen Jahren radikal gewandelt – und verbessert. Die ineffektive und schlecht verträgliche Kombinationstherapie mit Interferon und Ribavirin konnte verlassen werden. Einen ersten Fortschritt stellten Inhibitoren der NS3/NS4A-Protease wie Boceprevir, Telaprevir und Simeprevir dar, spezifische Hemmstoffen der RNA-abhängigen RNA-Polymerase NS5B wie Sofosbuvir und des regulatorischen Virusproteins NS5A wie Ledipasvir brachten schließlich den Durchbruch. Heute ist die chronische HCV-Infektion – dank der Forschung von Alter, Houghton, Rice und anderen – eine behandelbare Erkrankung mit sehr guten Heilungschancen.

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