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Arzneimittel, Verbandsmaterial

Großhändler planen Hilfslieferungen für Ukraine

Die pharmazeutischen Großhändler Noweda, Phoenix und Sanacorp wollen Arzneimittel und medizinische Ausrüstung in die Ukraine liefern. Erste Lieferungen von Phoenix-Niederlassungen im Ausland sind bereits in Richtung Ukraine unterwegs. Auch die Noweda schickt am Dienstag erste Transporte los. Derweilen ist der Phagro diesbezüglich gerade in Abstimmung mit dem Bundesgesundheitsministerium.
Charlotte Kurz
01.03.2022  15:30 Uhr

Um die ukrainische Bevölkerung nach dem Angriff der russischen Armee zu unterstützen, gibt es mittlerweile zahlreiche Hilfsorganisationen, auch von Apothekern, die derzeit Spenden sammeln. Dazu gehören zum Beispiel Apotheker ohne Grenzen oder Apotheker helfen. Um die medizinische und pharmazeutische Versorgung vor Ort etwas zu verbessern, planen auch die pharmazeutischen Großhandelsunternehmen in Deutschland Hilfslieferungen für die Ukraine.

So hat der Großhandel Phoenix am Dienstag mitgeteilt, dass er Hilfsorganisationen in der Ukraine schnell und unbürokratisch mit dringend benötigten pharmazeutischen Produkten unterstützen möchte. So sind bereits erste Lieferungen von Arzneimitteln, Verbandsmaterial und medizinischer Ausrüstung von den Phoenix-Landesgesellschaften in Bulgarien, Rumänien, der Slowakei, Ungarn und dem Baltikum in Richtung Ukraine unterwegs, andere Lieferungen sind derzeit in der Vorbereitung und werden bald ausgeliefert, erklärte eine Phoenix-Sprecherin der PZ. Konkret wurden aus der Ukraine unter anderem Beatmungsbeutel, Alkoholtupfer und Venenkatheter angefragt.

Die Verteilung der Hilfslieferungen erfolgt in Kooperation mit zivilgesellschaftlichen und lokalen Organisationen in der Ukraine, so die Sprecherin. Zudem stelle Phoenix in enger Abstimmung mit dem Bundesverband des pharmazeutischen Großhandels (Phagro) eine weitere Lieferung aus Deutschland zusammen.

Noweda-Transporter fahren bis an die Grenze zur Ukraine

Die Apothekergenossenschaft Noweda hat am heutigen Dienstag ebenfalls Lieferungen nach Anforderungskatalogen von verschiedenen Hilfsorganisationen zusammengestellt. Mindestens vier Noweda-Sprinter werden am heutigen Dienstag von Essen aus an die polnisch-ukrainische Grenze fahren, erklärte der Noweda-Pressesprecher Joachim Reinken der PZ. An Bord sind unter anderem Verbandsmaterial, Babynahrung, Desinfektionsmittel, Spritzen und Krücken, so der Sprecher. Kurz vor der Grenze werden die Lieferungen dann von der Hilfsorganisation Ukraine-Hilfe Berlin umgeladen und in die Ukraine etwa zu Flüchtlingsunterkünften, Krankenhäuser oder Kinderheimen gebracht. Die Noweda-Stiftung hat zudem ein Spendenkonto bereitgestellt. Die einhergehenden Zuwendungen werden Organisationen zur Verfügung gestellt, die vor Ort aktive Hilfe leisten, informierte die Noweda weiter.

Auch der Großhandel Sanacorp ist gerade dabei, Hilfslieferungen für die Ukraine abzustimmen und vorzubereiten, sagte ein Großhandelssprecher der PZ. Gehe und Alliance Healthcare erklärten, dass sie in einem ersten Schritt die Hilfsorganisation Humedica mit einer Spende unterstützen. »In unserer Funktion als pharmazeutische Großhändler sind wir darüber hinaus im Austausch mit der Organisation zu weiterführenden Maßnahmen«, so eine Sprecherin gegenüber der PZ.

Phagro will Lieferungen des Bundes unterstützen

Neben den Hilfslieferungen der einzelnen Großhändler ist auch der Phagro derzeit mit öffentlichen Stellen, wie das Bundesgesundheitsministerium (BMG) und dem Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe (BBK), über mögliche bundesseitige Hilfslieferungen in Abstimmung. »Der Phagro ist bereit, sehr kurzfristig die Bundesregierung bei notwendigen Maßnahmen zur Beschaffung und Belieferung von Arzneimitteln, Hilfs- und Verbrauchsmitteln für die Ukraine-Hilfe zu unterstützen«, heißt es auf Anfrage der PZ. Noch gebe es keinen konkreten Zeitplan, aber die Situation sei gerade sehr dynamisch und könne sich daher schnell ändern, sagte ein Phagro-Sprecher am Dienstag der PZ. Für den Verband und seine Mitgliedsunternehmen nehme die Unterstützung der Hilfsmaßnahmen für die Ukraine höchste Priorität ein. Noch keine Antwort erhielt die PZ auf Anfragen zu geplanten medizinisch-pharmazeutischen Hilfslieferungen beim BMG und BBK.

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