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Nach Covid-19-Impfung

Große Spanne bei den Antikörpertitern

Zwei Wochen nach der vollständigen Grundimmunisierung gegen Covid-19 ist in der Regel der maximale Antikörpertiter erreicht. Danach sinkt er, wie erste Sechs-Monats-Daten für den Biontech/Pfizer-Impfstoff Comirnaty® zeigen. Wie schnell und wie stark der Titer fällt und ab welchem Wert eine Auffrischimpfung empfehlenswert sein könnte, ist noch nicht geklärt. Dr. Andreas Bobrowski, der Vorsitzende des Berufsverbands Deutscher Laborärzte (BDL), brachte kürzlich 21,8 beziehungsweise 1000 BAU/ml als Ober- und Untergrenzen ins Gespräch: Unter 21,8 BAU/ml sei wahrscheinlich kein Immunschutz gegen SARS-CoV-2 vorhanden, über 1000 BAU/ml sei eine Drittimpfung unnötig, dazwischen liege ein Graubereich.

Diese Werte seien als Diskussionsgrundlage zu verstehen, wobei den unteren Grenzwert die Firma Siemens anhand des WHO-Standards (NIBSC-Code 20/136) ermittelt habe, erklärte Bobrowski auf Nachfrage der PZ. Aus der Sicht des Praktikers dränge eine Beantwortung der Frage, welche Patienten eine Drittimpfung brauchen und welche nicht. Das sei bei anderen impfpräventablen Krankheiten anhand der Titer festgelegt, bei SARS-CoV-2 seien die zuständigen Stellen beim Robert-Koch-Institut, Paul-Ehrlich-Institut und Bundesgesundheitsministerium aber noch zu zögerlich.

In seinem Labor sei mittlerweile schon Tausende Male der SARS-CoV-2-Antikörpertiter bestimmt worden. »Wenn man die Ergebnisse auswertet, sieht man bestimmte Bereiche«, führte Bobrowski aus. »Das sind zum einen die negativen, zum Beispiel Impfversager oder Menschen, bei denen die Impfung missglückt ist. Auf der anderen Seite gibt es diejenigen mit hohen Titern, über 1000 BAU/ml und bei Jüngeren meistens noch höher, nämlich weit über 3000 BAU/ml. Bei denen kann man wohl davon ausgehen, dass sie geschützt sind.«

Ober- und Untergrenzen der Antikörpertiter als Grundlage für die Entscheidung über eine mögliche Auffrischimpfung zu definieren, halte er für sinnvoller, »als jedem Patienten noch eine Drittimpfung zu verpassen«. Das sei Therapie ohne vernünftige Diagnostik.

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