Eine griechische Studie stellt fest, dass Arzneimittel nur ein Teil der im kommunalen Abwasser nachgewiesenen Mikroschadstoffe sind. / © Aktor Group
Eine Studie des Labors für Analytische Chemie der Nationalen und Kapodistrianischen Universität Athen zeigt, dass die toxikologische Belastung des gereinigten Abwassers im Ablauf der dritten Kläranlagenstufe von mehreren Industrien verursacht wird. Darauf weist der Verband Pharma Deutschland aktuell hin. Im Rahmen der Studie wurden demnach die Mikroschadstoffe in zwei griechischen Kläranlagen untersucht, darunter Psyttalia. Dies ist die größte Kläranlage Griechenlands sowie eine der größten Europas und der Welt. Sie befindet sich auf einer unbewohnten Insel in der Nähe von Athen.
Gemäß einer Richtlinie der Europäischen Union müssen die Pharma- und die Kosmetikindustrie mindestens 80 Prozent der Kosten für den Bau und den Betrieb der vierten Reinigungsstufe zur Entfernung von Mikroschadstoffen in Klärwerken tragen. Die Pharmaindustrie warnt jedoch vor finanziellen Belastungen.
Im Rahmen der Untersuchung in Griechenland wurden die Zu- und Abläufe der Kläranlage Psyttalia sowie der 150.000-Einwohner-Stadt Larissa analysiert.
Die Autorinnen und Autoren der Studie betonen, wie wichtig es ist, die regionale Industrie zu berücksichtigen. So wurden nahe Athen überwiegend Industriechemikalien und Tenside im Wasser gefunden, während in Larissa ein großer Teil aus der Landwirtschaft kam. Die mediane wöchentliche Massenbelastung war laut der Studie viel höher als die durch Medikamente verursachte: über 1800 kg/Tag in Psyttalia. »Obwohl Arzneimittel hinsichtlich der nachgewiesenen Chemikalien die dominierende chemische Klasse darstellten, wiesen sie eine mittlere wöchentliche Massenbelastung von nur 87 kg/Tag auf«, so die Studie.
In der Kläranlage von Larissa wurden laut den Autorinnen und Autoren deutlich geringere Massenbelastungen festgestellt, da die Stadt viel kleiner als Athen ist. »Konkret waren Tenside und Pflanzenschutzmittel mit Medianwerten von 31 beziehungsweise 15 kg/Tag die dominierenden Stoffgruppen, gefolgt von Arzneimitteln und Industriechemikalien mit Medianwerten von 6 beziehungsweise 4 kg/Tag.«
Pharma Deutschland interpretiert die Studie als Beweis dafür, dass etablierte Messmethoden zur Verfügung stehen, mit denen sich fundierte Aussagen über die reale Zusammensetzung und die toxische Relevanz der Spurenstoffe im geklärten Abwasser treffen lassen. »Auch in Deutschland muss endlich geklärt werden, wer die toxischen Mikroschadstoffe im Abwasser tatsächlich verursacht«, kommentiert Jörg Wieczorek, der Vorstandsvorsitzende von Pharma Deutschland, in einer Pressemitteilung des Verbands. »Eine neue Kommunalabwasserrichtlinie muss auf messbaren Fakten und nicht auf gefühltem Wissen basieren.«
Umweltminister Carsten Schneider (SPD) hat kürzlich erklärt, dass sein Ministerium am Prinzip der Herstellerverantwortung festhalten möchte. Er setzt auf eine »gute« Lösung auf europäischer Ebene. »Aber wenn es sein muss, kann ich mir auch einen nationalen Weg vorstellen«, so der Umweltminister.
Unterstützung erhielt die Pharmabranche neulich von der Generalanwältin des Europäischen Gerichtshofs (EuGH). In ihrem Schlussantrag lehnte sie die Herstellerverantwortung für die Kommunalabwasserrichtlinie ab. Die Kommunen hatten damals gewarnt, dass die Einführung der vierten Reinigungsstufe auf Dauer kaum möglich sein werde, wenn keine verursachergerechte Finanzierung gewährleistet sei.