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Tattoos

Gesundheitliche Langzeitfolgen nicht absehbar

Ob aus Gründen der Ästhetik oder der Provokation: 10 Prozent der Deutschen tragen mehrere Tattoos. Zur Risikoeinschätzung fehlen Langzeitbeobachtungen. Es gibt jedoch erste Hinweise, dass es zu chronischen Gesundheitsschäden kommen kann.
Christiane Berg
02.03.2021  11:01 Uhr

»Tattoo-Farben können nahezu alle Arten von Giften enthalten«, sagte Apothekerin Grit Spading am Wochenende in einem Vortrag bei der Hermann-Hager-Tagung der Apothekerkammer Brandenburg. Bestandteile könnten unter anderem potenziell krebserregende Stoffe wie polycyclische aromatische Kohlenwasserstoffe (PAK), Nitrosamine, aromatische Amine, Formaldehyd(abspalter), halogenorganische Stoffe oder Nickel sein. Die sogenannte Rapid Exchange of Information System (Rapex)-Liste als Schnellwarnsystem der Europäischen Kommission umfasse rund 200 Meldungen zu schädlichen Tattoofarben. Denn: »Farbchemikalien bleiben nicht in der Haut, sondern gehen auf Wanderschaft«, erläuterte die Pharmazeutin.

Pigmente aus Tattoofarben könnten aus der Haut direkt in die Lymphknoten und von dort aus in den ganzen Körper gelangen, so Spading. Manche Tattoofarben enthalten auch Nanopartikel als winzige Teilchen, die in der Lage sind, besonders schnell die Haut zu verlassen und sich über die Lymphe und den Blutstrom im ganzen Körper zu verteilen. »In welchem Ausmaß dies geschieht, wird sich erst in 20 bis 30 Jahren sagen lassen, wenn erste Langzeitschäden auftauchen – oder auch nicht«, bemerkte die Referentin.

Mit Ausschlägen, Schwellungen, Entzündungen, Rötungen und/oder Juckreiz direkt nach dem Stechen sei immer zu rechnen. »Schließlich handelt es sich um eine starke Verletzung der Haut. Klar, dass diese reagiert.« Cremen sei das A und O in der Heilphase eines Tattoos, sagte Spading, die auf die Bedeutung der entsprechenden Beratung und Pflegehinweise in der Apotheke verwies.

Die Haut vergisst nicht. Auch Jahre später noch könne es zu chronischen Infektionen, bleibenden Schwellungen, dauerhaften Allergien gegen die Farbpigmente beziehungsweise Knötchen kommen, in denen Farbinhaltsstoffe eingeschlossen oder vom Körper verkapselt werden.

Ob dermatologische oder organische Schäden, ob Autoimmunerkrankungen oder Krebs: Ersten US-amerikanischen Studien gemäß entwickelt eine Vielzahl der Menschen mit Tattoos gleich welcher Art in späteren Lebensjahren chronische Gesundheitsprobleme. Die Studienautoren hätten deutlich gemacht, dass diese viel häufiger aufträten als allgemein vermutet, so Spading.

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