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Neue Studie

Geruchssinn häufiger bei mildem Covid-Verlauf eingeschränkt

Im Schnitt drei Wochen ohne Riechen, bei vielen aber auch deutlich länger

Im Schnitt drei Wochen ohne Riechen, bei vielen aber auch deutlich länger

Von den Patienten, bei denen eine Störung des Geruchssinns durch einen speziellen Test bestätigt wurde, war dieser in der aktuellen Studie bei 15,3 Prozent nach 60 Tagen und bei 4,7 Prozent selbst nach sechs Monaten immer noch beeinträchtigt. Im Durchschnitt dauerte es nach Auskunft der Betroffenen gut drei Wochen, bis sie wieder normal riechen konnten.  Die Autoren schränken ein, dass die Befragungsergebnisse der ernsthaft Erkrankten dadurch beeinflusst sein könnten, dass viele von ihnen zeitweise durch eine Nasensonde ernährt werden mussten.

Alles in allem erhole sich der Geruchssinn bei den meisten der Erkrankten, heißt es in der Studie. «Die olfaktorische Dysfunktion ist bei leichten Covid-19-Formen häufiger als bei mittelschweren bis schweren Formen, und 95 Prozent der Patienten erlangen ihren Geruchssinn sechs Monate nach der Infektion wieder», fasst Hauptautor Lechien zusammen. 

Wie kommt es zum Verlust des Geruchssinns?

Die Wissenschaftler vermuten, dass die Störung des Geruchssinns vor allem bei mild Erkrankten auf eine im Vergleich zu schwerer Erkrankten unterschiedliche Antwort des Immunsystems zurückzuführen sein könnte. Dieser Hypothese zufolge würde sich das Virus zwar nicht so weit im Körper ausbreiten, aber eine lokalen Entzündungsreaktion im Geruchssystem auslösen. 

Eine weitere Möglichkeit sei, so die Autoren, dass das Virus die Nervenzellen im Riechkolben (Bulbus olfactorius) schädige. Die Dauer und Schwere der Geruchsstörungen würde dann davon abhängen, wie viele Geruchszellen betroffen sind. Die Nervenzellen des Geruchssystems sind in der Lage, sich zu erneuern, auch wenn dieser Prozess Monate dauern kann. Zur Klärung müssten weitere Analysen durchgeführt werden, in denen etwa Speichel und Nasensekrete untersucht würden.

Tatsächlich häufen sich insbesondere im Internet Erzählungen von Betroffenen, die Wochen nach einer oft mild verlaufenen Covid-19-Erkrankung weiter Probleme mit ihrem Geruchssinn haben. Neben dessen vollständigem Verlust oder teilweisem Ausfall berichten manche, seit ihrer Erkrankung üble Gerüche wahrzunehmen. Dieses Phänomen, Parosmie genannt, wurde bereits vereinzelt in früheren Studien zu Covid-19-Symptomen beschrieben und bedeutet für die Betroffenen nicht selten einen hohen Leidensdruck – wie auch die Störung des Geruchssinns generell. Forscher der Westfälischen Wilhelms-Universität Münster und des Forschungszentrums Jülich haben einen unter www.riech-check.de «Riech- und Schmeck-Check» entwickelt, der online als Selbsttest durchgeführt werden kann.

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