Pharmazeutische Zeitung online Avoxa
whatsApp instagram facebook bluesky linkedin xign

Kassenbeiträge
-
Gerlach nimmt Klingbeil in die Pflicht

Bayerns Gesundheitsministerin Judith Gerlach (CSU) fordert von Bundesfinanzminister Lars Klingbeil (SPD), die Kassenbeiträge für Bürgergeldempfänger endlich aus Steuermitteln zu begleichen. »Das ist auch eine Frage der sozialen Gerechtigkeit.«
AutorKontaktPZ
Datum 16.04.2026  10:30 Uhr

Die Finanzkommission Gesundheit hatte vorgeschlagen, das Finanzlücke bei den Gesundheitsausgaben für Bürgergeldbeziehende geschlossen wird. Aufgrund der zu geringen staatlichen Beiträge sehen die Experten ein Defizit von zwölf Milliarden Euro. Doch Klingbeil lehnt dies mit Blick auf die Belastung des Haushalts ab.

Gerlach sieht den Bund in der Pflicht: »Alle müssen ihren Beitrag leisten, damit die große Kassen-Reform gelingt. Ärzte, Beitragszahlende, Krankenhäuser, Pharma – alle müssen sich einbringen. Aktuell aber nimmt sich der Bund selbst heraus. Das geht so nicht! Ich rufe Bundesfinanzminister Lars Klingbeil auf, seine Blockadehaltung bei steuerfinanzierten Kassenbeiträgen für Bürgergeldempfänger aufzugeben.«

Die Steuerfrage sei der Schlüssel zu einer echten Stabilisierung der Gesetzlichen Krankenversicherung (GKV). Heute zahlten gesetzlich Versicherte die Gesundheitskosten für die Bürgergeldempfänger, Gerlach würde sich eine fairere Verteilung der Last wünschen. »Die Krankenversicherungsbeiträge für Bürgergeldempfänger gehören zur Grundsicherung und sollten deswegen vollständig aus Steuermitteln finanziert werden, nicht aus Beiträgen der Versicherten.«

Bayerns Gesundheitsministerin appelliert an den Koalitionspartner: »Hier müssen sich die Bundestags-SPD und vor allem der Bundesfinanzminister bewegen und ihre Blockade aufgeben.«

Tabaksteuer für Prävention nutzen

Die Vorschläge der Finanzkommission im Krankenhausbereich gehen aus Gerlachs Sicht zu weit. Zwar müssten auch die Kliniken ihren Beitrag zur Konsolidierung der GKV-Finanzen leisten. Das vorgeschlagene Zweitmeinungsverfahren findet Gerlach sinnvoll, ebenso die Korrekturen an den Regelungen zum Pflegebudget. »Die Krankenhäuser benötigen aber gerade auch zur Umsetzung der anstehenden Reform eine verlässliche Refinanzierung ihrer tatsächlich anfallenden notwendigen Kosten. Deshalb sollte die Überlegung der dauerhaften Streichung der Meistbegünstigungsklausel noch einmal genau geprüft werden«, so Gerlach.

Die geplante Erhöhung der Tabaksteuer hält die CSU-Politikerin für ein richtiges Signal für die Stärkung der Prävention. Dass die zusätzlichen Mittel aus der Tabaksteuer nun anderweitig verwendet werden sollen, sei aber das falsche Signal. »Wenn wir schon grundlegend an Reformen im Gesundheitswesen rangehen, dann müssen wir die Strukturen auch in Richtung Gesunderhaltung ausrichten«, so Gerlach.

THEMEN
SPDBayern
Mehr von Avoxa