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Neue Modellregionen

Gematik eröffnet bundesweite E-Rezept-Testphase

Das neue E-Rezept-System soll ab dem 1. Dezember erstmals in mehreren Testregionen erprobt werden können. Bislang wurden Verordnung, Belieferung und Abrechnung der E-Verordnungen nur in Berlin/Brandenburg getestet. Bei der gestrigen Gesellschafterversammlung der Gematik wurde nun beschlossen, dass sich auch andere Regionen für Tests melden können. Ob dies allerdings auch in Anspruch genommen wird, ist fraglich.
Benjamin Rohrer
24.11.2021  14:06 Uhr

Die bundesweite, flächendeckende Einführung des E-Rezept-Systems lässt weiter auf sich warten. Weil es bei der technischen Anbindung der Arztpraxen an die Telematik-Infrastruktur (TI) und den E-Rezept-Fachdienst weiterhin Nachholbedarf gibt und auch die Abrechnung noch nicht einwandfrei funktioniert, war im September beschlossen worden, dass das Berliner Modellprojekt, an dem einige wenige Praxen, Apotheken und Kassen beteiligt sind, vorerst weitergeführt wird. Wie geplant, folgt nun aber der nächste Schritt: Die Gesellschafterversammlung der Gematik, zu der neben dem Bundesgesundheitsministerium auch Kassen, Ärzte und Apotheker gehören, hat beschlossen, dass sich auch andere Regionen für entsprechende Tests bei der Gematik melden können. Die Tests können nach Anmeldung bei der Gematik bundesweit in ausgewählten Pilotpraxen und -apotheken durchgeführt werden. Voraussetzung ist natürlich: Sowohl die Praxen als auch die Apotheken müssen an die TI angebunden sein und über Software-Systeme verfügen, die die Datensätze des E-Rezepte erzeugen, beziehungsweise verarbeiten können.

In einer Mitteilung teilte die Gematik mit, dass die bisherige Testphase aus ihrer Sicht erfolgreich verlaufen sei. Weil bisher nur einige Praxen und Apotheken in Berlin und Brandenburg Erfahrungen mit dem E-Rezept sammeln konnten, werde der Testbetrieb jetzt auf weitere Regionen ausgeweitet. Damit wolle man insbesondere den Anbietern von Praxis- und Apothekenverwaltungssystemen die Möglichkeit geben, sich weiter auf den Start des E-Rezepts vorzubereiten.

Flächendeckende Einführung im Januar nur auf dem Papier

Die Gematik erklärte auch, dass sich an der bundesweit verpflichtenden Einführung zum 1. Januar 2022 »nichts ändert« – allerdings nur »für diejenigen, die dazu technisch in der Lage sind, E-Rezepte zu erstellen bzw. einzulösen«. Damit bezieht sich die Gematik auf die gesetzliche Grundlage der E-Rezept-Einführung, die laut Patientendaten-Schutzgesetz (PDSG) für den 1. Januar vorgesehen ist. Ab diesem Datum müssen Ärzte elektronisch verordnen. Allerdings gilt ein Ausnahme-Passus: Wenn die technischen Voraussetzungen in den Praxen nicht gegeben sind, darf weiterhin auf Muster-16-Rezepten verordnet werden.

Und dabei wird es auch nach dem 1. Januar in den allermeisten Fällen bleiben. Denn bislang sind laut Gematik derzeit nur drei Praxisverwaltungssysteme in das Berliner Projekt eingebunden und können somit E-Rezepte erzeugen und auf dem Fachdienst (Server) ablegen. Die Gematik teilte gegenüber der PZ allerdings mit, dass in den nächsten Tagen acht weitere Praxisverwaltungssysteme erwartet würden. Allerdings seien sogar schon insgesamt 60 Software-Systeme von der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV) fürs E-Rezept zertifiziert worden. Dies entspreche einem Marktanteil von mehr als 90 Prozent. Warum von der großen Anzahl an zertifizierten Systemen bislang nur einige wenige auch in das Projekt eingebunden sind, ist allerdings unklar. Hinzu kommt, dass es auch auf der Rezept-Abrechnungsseite weiterhin Probleme gibt. Wie die PZ berichtete, sind nicht alle Rechenzentren auch wirklich E-Rezept-ready. Die Gematik bestätigte, dass es derzeit acht Abrechner gebe, die mit den Kassen abrechnen könnten, drei weitere seien »in Vorbereitung«.

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