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Modellprojekt verlängert

Bundesweiter E-Rezept-Start rückt in weite Ferne

Der für Januar 2022 vorgesehene Start des neuen, digitalen Verordnungssystems ist nicht mehr zu schaffen. Bei der gestrigen Gesellschafterversammlung der Gematik wurde nach PZ-Informationen beschlossen, dass das in Berlin laufende Modellprojekt bis Ende November ausgeweitet wird. Dem Vernehmen nach gibt es weiterhin große Probleme auf der Ärzteseite. Damit ist ein pünktlicher Start so gut wie ausgeschlossen. Die Gematik bleibt jedoch optimistisch.
Benjamin Rohrer
30.09.2021  11:20 Uhr

Schon seit Monaten wird in der Apothekenbranche über eine mögliche Verzögerung des E-Rezept-Starts spekuliert, nun scheint es amtlich zu sein. Zur Erinnerung: Mit dem Patientendaten-Schutzgesetz (PDSG) hatte der Gesetzgeber die Ärzte verpflichtet, apothekenpflichtige Rx-Arzneimittel ab Januar 2022 nur noch über das neue digitale Verordnungssystem zu verschreiben. Die Gematik hatte den dafür nötigen Fachdienst und die Smartphone-App für Patienten (Server) gemeinsam mit externen Dienstleistern entwickelt. Weil ein bundesweiter Start bislang allerdings nicht möglich war, hatte die Gematik das System zunächst in einem Modellprojekt in der Region Berlin/Brandenburg getestet. Ursprünglich war geplant, dass das Projekt zum 1. Oktober – also in wenigen Tagen – in ganz Deutschland ausgerollt werden sollte.

Doch nun kommt es erneut zu Verzögerungen. Bei der gestrigen Gesellschafterversammlung der Gematik wurde beschlossen, dass der Start des bundesweiten Roll-out des Modellprojekts zum neuen Verordnungssystem erst Ende November erfolgen soll. Rein theoretisch bliebe dann also nur noch ein Monat Zeit, um das E-Rezept wie im PDSG vorgesehen, pünktlich im ganzen Land einzuführen. Auch die Nachrichtenagentur dpa berichtet inzwischen, dass sich der Start des bundesweiten Modellprojekts nicht wie geplant am 1. Oktober, sondern am 1. Dezember abspielen soll.

Nur zwei Software-Systeme sind E-Rezept-ready

Nach Informationen der PZ ist dies aber so gut wie unmöglich. Denn dem Vernehmen nach gibt es weiterhin große Probleme auf der Ärzteseite: Im Berliner Modellprojekt sollen nur wenige Arztpraxen überhaupt in der Lage sein, die E-Rezept-Datensätze zu erzeugen und diese auf dem Fachdienst abzulegen. Dies liegt auch daran, dass es weiterhin nur zwei Anbieter von Praxis-Software-Systemen gibt, die diese Technik überhaupt bereitstellen.

Für einen bundesweiten Roll-out gibt es aber noch weitere Hinderungsgründe: Denn auch die Verteilung des elektronischen Heilberufsausweises (HBA) in der Ärzteschaft stockt noch. Während bei den Apothekern mehr als 90 Prozent angebunden sind, liegt die Zahl der Mediziner, die sich per HBA in der Telematik-Infrastruktur (TI)  identifizieren können, nach PZ-Informationen weit darunter. Bei einer Diskussionsrunde im Rahmen der Expopharm Impuls wollte sich KBV-Vorstand Thomas Kriedel nicht zu konkreten Zahlen zur HBA-Verteilung äußern. Kriedel hatte sich aber für einen verspäteten Start des neuen Systems ausgesprochen, wenn die Komponenten nicht rechtzeitig fertiggestellt würden.

Nach PZ-Informationen ist auch das Berliner Modellprojekt aus diesen Gründen nicht weiter fortgeschritten. Die angebundenen Apotheken und Arztpraxen haben bis vor wenigen Tagen noch E-Rezept-Dummies, also Test-Rezepte, verarbeitet. Erst kürzlich soll das erste echte E-Rezept in einer Berliner Apotheke gelandet sein – allerdings soll es auch bei der Abrechnung der digitalen Verordnungen noch Probleme geben.

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