| Melanie Höhn |
| 22.07.2026 13:15 Uhr |
Teure Krebsmedikamente stehen im Fokus der Kriminellen. / © Imago Images/mix1
Rezeptfälschungen beschäftigen Apotheken bundesweit zunehmend und werden immer mehr zum Problem für Apotheken und Krankenkassen. Der Schaden liegt im mehrstelligen Millionenbereich. Ein aktueller Fall aus Bielefeld zeigt, wie dreist Betrüger dabei vorgehen.
In einer Apotheke in Brackwede, einem Stadtteil von Bielefeld, wollte am Montag gegen 11:35 Uhr ein 20-Jähriger ein Rezept für ein hochpreisiges Krebsmedikament einlösen. Laut Polizeipräsidium Bielefeld hegte die zuständige Mitarbeiterin »aufgrund der Gesamtumstände« den Verdacht, dass das Rezept gefälscht sein könnte, und informierte umgehend die Polizei.
Gegenüber der PZ erklärte eine Mitarbeiterin der Apotheke, dass der Kriminelle bereits zuvor in allen vier Filialen der Apotheke angerufen und nach der PZN des Medikaments gefragt hatte. Daraufhin wurden die Mitarbeitenden stutzig und tauschten sich dazu aus. Als der Betrüger schließlich in der Apotheke in Brackwede eintraf, wusste die zuständige Mitarbeiterin bereits Bescheid und tat so, als ob sie das Medikament bestellen würde, um Zeit zu gewinnen. Sie alarmierte umgehend die Polizei, die den Kriminellen noch vor Ort erwischen konnten, als er das Geschäft verließ. Bei der Durchsuchung stießen die Beamten auf diverse gefälschte Rezepte.
Der 20-Jährige wurde vorläufig festgenommen. Er muss sich nun für den Betrug und Urkundenfälschung verantworten. Zudem wird er verdächtigt, bereits vergangenen Samstag versucht zu haben, ein gefälschtes Rezept in einer Apotheke in Brake einzulösen.
Laut der Apothekenmitarbeiterin ist es schon einige Mal zu Fällen von Rezeptbetrug in der Apotheke gekommen. Deshalb seien einige Vorsichtsmaßnahmen getroffen worden: Hochpreisige Medikamente werden nur gegen Vorlage des Originalrezepts bestellt und eine telefonische Anfrage allein reicht nicht aus. Bei verdächtigen Anfragen werden die Filialen untereinander informiert und gewarnt.
Vor allem bei hochpreisigen Arzneimitteln werden die Rezepte besonders sorgfältig geprüft. Bei Unsicherheiten werde zudem die verordnende Arztpraxis kontaktiert, um zu überprüfen, ob das Rezept tatsächlich ausgestellt wurde. Außerdem werde die Identität des Kunden anhand des Ausweises überprüft. Bei einem konkreten Betrugsverdacht wird vorsorglich die Polizei eingeschaltet.