| Paulina Kamm |
| 23.06.2026 12:50 Uhr |
»Illegal erlangte und willkürlich verbreitete Medikamente sind gefährlich«, sagt Tatjana Zambo, Präsidentin des LAV Baden-Württemberg. Mit einer Kampagne soll auf die Folgen von Rezeptfälschungen aufmerksam gemacht werden. / © LAV Baden-Württemberg
Im vergangenen Jahr konnte die Polizei in Baden-Württemberg 540 Fälle der Verwendung gefälschter Rezepte verzeichnen. Das Landeskriminalamt (LKA) und der Landesapothekerverband (LAV) haben daher eine Kampagne ins Leben gerufen, meldet der LAV in einer Pressemitteilung. Aktuell würden Plakate an die Apotheken im Land verteilt, die Kundinnen und Kunden auf mögliche Folgen aufmerksam machen.
»In engem Schulterschluss mit dem Landesapothekerverband setzen wir auch auf die Aufklärung der Patientinnen und Patienten als ein wirksames Instrument bei der Bekämpfung von Rezeptfälschungen«, betont der Präsident des Landeskriminalamts, Andreas Stenger. Ziel der Rezeptfälscher ist es demnach, meist verschreibungspflichtige und oft hochpreisige Medikamente illegal zu erlangen, um sie anschließend auf dem Schwarzmarkt weiterzuverkaufen.
Aktuell seien insbesondere Arzneimittel zur Gewichtsreduktion oder zur Behandlung von Krebserkrankungen auf der Liste der Fälscher. »Den Betrügern geht es nur um Gewinn. Die erheblichen Gesundheitsrisiken für ihre Opfer sind ihnen hierbei gänzlich egal«, sagt Stenger.
Auf dem Schwarzmarkt werden die Arzneimittel unkontrolliert verkauft. Auch ein sorgsamer Umgang mit den Medikamenten sei häufig nicht gegeben – »etwa durch die Unterbrechung der Kühlkette, die für die Wirksamkeit vieler Präparate zwingend erforderlich ist«, so der LAV.
»Unsere Patienten müssen darauf vertrauen können, dass sie mit den Arzneimitteln versorgt werden, die sie benötigen und die ihnen helfen. Illegal erlangte und willkürlich verbreitete Medikamente sind gefährlich. Zusätzlich binden Rezeptfälschungen in der Apotheke enorme Kräfte und bedeuten für die Apotheke und auch für die Krankenkassen ein erhebliches wirtschaftliches Risiko. Unsere Apotheken werden jeden Versuch, gefälschte Rezepte einzulösen, konsequent zur Anzeige bringen«, betont die Präsidentin des LAV, Tatjana Zambo.
Das Thema Rezeptfälschungen treibt die Gesundheitsbranche schon länger um. Aus Thüringen kam zuletzt der Vorstoß der Landesapothekerkammer, der Kassenärztlichen Vereinigung sowie der Barmer, bei besonders fälschungsanfälligen Arzneimitteln die verpflichtende E-Rezept-Nutzung einzuführen. Das Bundeskriminalamt (BKA) kam zu einer ähnlichen Einschätzung.