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Extremwetter

Fünf Millionen temperaturbedingte Todesfälle jährlich

Jährlich fünf Millionen Todesfälle gehen weltweit auf abnorme Temperaturen zurück. Dabei ist Kälte das größere Problem als Hitze. In Europa könnte durch den Klimawandel die hitzeassoziierte Sterblichkeit in den kommenden Jahrzehnten aber erheblich zunehmen, zeigen aktuelle Studien.
Christina Hohmann-Jeddi
08.07.2021  17:55 Uhr

Ungekannt hohe Temperaturen, Todesfälle und Waldbrände – Kanada und Teile Nordamerikas erleben derzeit eine Extremwetterlage mit Temperaturen bis zu 50 °C. In der kanadischen Provinz British Columbia wurden zum Beispiel innerhalb einer Woche über 700 plötzliche Todesfälle gemeldet. In dem Ort Lytton wurde ein Temperaturrekord von 49,6 °C gemessen, kurz bevor fast die gesamte Stadt durch einen Brand zerstört wurde. Die beispiellose Hitzewelle kann als Ergebnis des Klimawandels gewertet werden – zu diesem Schluss kommt eine Studie des Projekts »World Weather Attribution (WWA)«.

Die Hitzewelle sei ohne den menschengemachten Klimawandel »nahezu unmöglich gewesen«, heißt es in einer Mitteilung des Forscherzusammenschlusses. Der Analyse zufolge komme es nur einmal in 1000 Jahren zu einem solchen Extremwetter, ohne den menschengemachten Klimawandel wäre es noch um den Faktor 150 seltener. Wenn die Erderwärmung anhält, könnten solche Hitzewellen häufiger werden. Bei einer globalen Erwärmung von 2 °C (was 2040 erreicht werden könnte) sei mit solchen Hitzewellen alle fünf bis zehn Jahre zu rechnen, heißt es in der Mitteilung weiter. Die rasch ansteigenden Temperaturen brächten die Menschheit in einen bisher unerforschten Bereich, der mit deutlichen Konsequenzen für Gesundheit und Lebensgrundlagen verbunden wäre.

Hitzebedingte Mortalität nimmt weltweit zu

Derzeit gehen mehr als fünf Millionen Todesfälle auf abnorm hohe, aber auch niedrige Temperaturen zurück. Das meldet ein Forschungsteam um Professor Dr. Qi Zhao von der Shandong University in Jinan, China, zusammen mit Kollegen von der Monash University in Melbourne, Australien, im Fachjournal »The Lancet Planetary Health«.  Das Team wertete globale Mortalitäts- und Temperaturdaten aus den Jahren 2000 bis 2019 aus. In diesem Zeitraum stieg die globale Durchschnittstemperatur um 0,26 °C.

Der Analyse zufolge können 9,43 Prozent der weltweiten Todesfälle auf Extremtemperaturen zurückgeführt werden – das entspricht einer Inzidenz von 74 auf 100.000 Personen. Dabei ist allerdings Kälte um den Faktor 10 gefährlicher als Hitze. Die Forscher stellten zudem fest, dass kältebedingte Todesfälle in dem Zeitraum um 0,51 Prozent abgenommen haben, während hitzebedingte Todesfälle um 0,21 Prozent zugenommen haben. Insgesamt habe dies also zu einer Netto-Reduktion der temperaturbedingten Mortalität geführt, heißt es in der Publikation. Dabei war der stärkste Rückgang in Südostasien zu verzeichnen, während es in Südasien und Europa zeitweise einen Anstieg gab. Europa hatte der Analyse zufolge die höchste Exzessmortalität aufgrund von Hitzewellen weltweit.

In allen Teilen der Welt sei die hitzebedingte Sterblichkeit gestiegen, was darauf hindeuten könnte, dass das Problem durch den Klimawandel verschärft werden könne. Auf lange Sicht werde der Klimawandel die Mortalität erhöhen, erklärt Professor Dr. Yuming Guo, Seniorautor der Studie, in einer Mitteilung der Monash University.

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