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Antientzündliche Ernährung
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Früh beginnen und lebenslang beibehalten

Viele Erkrankungen und auch das Altern sind von einer stillen Entzündung geprägt. »Eine antientzündliche Ernährung sollte man früh beginnen und lebenslang befolgen, um Schäden möglichst zu verhindern«, meint Professor Dr. Martin Smollich vom Institut für Ernährungsmedizin am Uniklinikum Schleswig-Holstein, Lübeck.
AutorKontaktBrigitte M. Gensthaler
Datum 28.02.2025  18:00 Uhr
Früh beginnen und lebenslang beibehalten

Die Entzündungsmarker im Körper würden bei Mangel- und Überernährung ansteigen und bei normaler bedarfsgerechter Ernährung sinken, sagte Smollich kürzlich bei der Hermann-Hager-Tagung der Landesapothekerkammer Brandenburg. »In der Regel haben wir eine konstante Überernährung bei Makronährstoffen wie Energie, Fett und Kohlenhydraten«, sagte der Apotheker. Diese »Kalorienvergiftung« treibe eine latente Entzündung und Alterungsprozesse an, schränke das Immunsystem ein und bewirke einen Diversitätsverlust des Darmmikrobioms.

Eine antientzündliche Ernährung mit Vitaminen, Antioxidanzien, Omega-3-Fettsäuren und sekundären Pflanzenstoffen soll einen antiinflammatorischen Mikrobiom-Shift bewirken, erklärte Smollich. Ballaststoffe und deren Metaboliten, zum Beispiel kurzkettige Fettsäuren, könnten die Entzündung dämpfen. Zudem erwarte man Mikrobiom-Effekte durch Präbiotika, die den Darmbakterien als Futter dienen. »Perspektivisch wird das Spektrum erweitert durch Postbiotika, zum Beispiel kurzkettige Fettsäuren wie Propionat, Butyrat und Acetat, die direkt zugeführt werden.« 

Die stärkste antientzündliche Wirkung unter den Lebensmittelinhaltsstoffen entfalten laut Smollich unlösliche Ballaststoffe aus Vollkorngetreide. Obst und Gemüse liefern die löslichen Ballaststoffe. Ebenfalls sehr günstig sind Kurkuma (in Gramm-Mengen), Flavone und Isoflavone (in Milligramm-Mengen) sowie Betacarotin (im Mikrogramm-Bereich). »Also Getreide, Gemüse, Obst, Beeren und Soja.« Ergänzend kämen Effekte einzelner Nährstoffe auf einzelne Entzündungsmarker hinzu. »Aber es geht immer um ein gesamtes Ernährungsmuster und nicht um die Zufuhr von Kakao, Leinsamen oder Nüssen«, stellte der Experte klar.

Am anderen Ende des Rankings stehen gesättigte und trans-Fettsäuren, Gesamtfett, Cholesterol, Junkfood und Kalorienüberschuss, die allesamt stark proinflammatorisch wirken.

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