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Analyse
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Fragwürdige Dauerverordnungen bei Kindern

Etwa eines von zehn Kindern in Deutschland braucht regelmäßig verschreibungspflichtige Medikamente — welche, hängt vom Alter und Geschlecht ab, zeigt eine aktuelle Auswertung von Verordnungsdaten. Einige könnten zu häufig zum Einsatz kommen.
AutorKontaktDaniela Hüttemann
Datum 30.08.2021  12:07 Uhr
Diese Medikamente wurden auffällig häufig verordnet

Diese Medikamente wurden auffällig häufig verordnet

Bei bestimmten Wirkstoffen zweifeln die Forschenden, ob die Dauerverordnung immer angemessen war. Auffällig war beispielsweise, dass das Breitspektrum-Antibiotikum Cefaclor genauso häufig verordnet wurde wie das zu bevorzugende Amoxicillin. Auch die sehr häufige Verordnung topischer Antibiotika zur Anwendung am Auge, insbesondere von Ofloxacin, bei den Unter-Sechsjährigen sehen die Autoren kritisch aufgrund der Resistenzentwicklung und möglicher Nebenwirkungen.

Zwar wunderte es die Wissenschaftler nicht, dass die 13- bis 17-jährigen Mädchen so häufig ein orales Kontrazeptivum bekamen. Sie kritisieren jedoch, dass so häufig nicht wie empfohlen Präparate der niedrigsten Risikoklasse für Thrombosen verordnet wurden. Das steht im Einklang mit kürzlich veröffentlichten Verordnungsdaten der AOK. Ebenfalls fragwürdig finden sie die hohen Verordnungszahlen von Levothyroxin und Macrogol. Auf diese Medikamente und ihren Gebrauch könnten sich zukünftige Studien fokussieren, um eine angemessene Verordnung zu gewährleisten und eine Überverschreibung zu vermeiden.

»Unsere Studie sollte als Ausgangspunkt betrachtet werden, auf den weitere Analysen zu spezifischen Medikamenten aufbauen können, zum Beispiel zu Diagnosen, Komorbiditäten, Kontinuität der Behandlung, Einsatz von Diagnostik und Trends bei der Verschreibung«, so das Fazit der Studienautoren, darunter auch die Apothekerinnen Professor Dr. Antje Neubert und Dr. Irmgard Toni von der Kinderklinik am UK Erlangen, deren Forschungsschwerpunkt auf Arzneimitteltherapiesicherheit (AMTS) in der Pädiatrie liegt.

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