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AOK-Auswertung

Immer noch zu viele risikoreiche Pillen für junge Frauen

35 Prozent der Mädchen und jungen Frauen bekommen hormonelle Kontrazeptiva verordnet – wieder etwas mehr als in den Vorjahren. Doch nur 48 Prozent erhalten ein Präparat der niedrigsten Risikostufe für Thrombosen, schreibt die AOK. 
Daniela Hüttemann
04.08.2021  12:30 Uhr

Bis zu einem Alter von 22 Jahren können Medikamente zur Empfängnisverhütung zulasten der Gesetzlichen Krankenversicherung verschrieben werden. Das Wissenschaftliche Institut der AOK (WIdO) analysiert regelmäßig das Verordnungsverhalten für kombinierte orale Kontrazeptiva, also die klassischen Antibabypillen.

Erstmals seit zehn Jahren seien die Verordnungszahlen wieder gestiegen, meldet die AOK heute. 2020 erhielten 35 Prozent der AOK-Versicherten ein Rezept für die Pille, das seien 3 Prozent mehr gegenüber dem historischen Tiefstand von 2019, so die Krankenkasse. Die Ursache für diesen Anstieg sei allerdings allein darauf zurückzuführen, dass die Altersgrenze für die Erstattung 2019 von 20 auf 22 Jahre angehoben wurde, erläutert Dr. Eike Eymers, Ärztin im Stab Medizin des AOK-Bundesverbands. Der Höchststand sei 2010 mit 46 Prozent erreicht worden. Seitdem waren die Zahlen kontinuierlich gesunken.

Sorgen bereitet der AOK der unverändert relativ hohe Anteil von Präparaten mit einem erhöhten oder unklaren Risiko für Thrombosen und Embolien gegenüber den Pillen der niedrigsten Risikoklasse. Ihr Anteil sei von 2019 auf 2020 nur leicht von 54 auf 52 Prozent gesunken. »Dabei gibt es Alternativen, deren niedrigeres Risiko durch Langzeitstudien bekannt ist und auf die Ärztinnen und Ärzte gerade bei der Erstverordnung der Pille zurückgreifen sollten«, betont Eymers. »Insbesondere bei Mädchen und Frauen mit einem erhöhten Grundrisiko, zum Beispiel durch Übergewicht, sollten bevorzugt risikoärmere Wirkstoffe wie Levonorgestrel verordnet werden.« Die AOK verweist dabei auf den aktuellen Appell auch der Zulassungsbehörden im »Bulletin für Arzneisicherheit«, worin neue Daten zum Thromboserisiko von Chlormadinon und Nomegestrol vorgestellt wurden.

So fiel laut AOK-Auswertung mit 36 Prozent ein großer Teil der Verordnungen für junge Frauen auf Dienogest-haltige Präparate – nur ein Prozentpunkt weniger als im Vorjahr. Der Anteil Chlormadinon-haltiger Verordnungen ging ebenfalls nur leicht zurück, von 11 auf 10 Prozent. Der Anteil der risikoärmeren Alternativen habe sich zwar zwischen 2010 und 2020 von knapp 30 auf 48 Prozent erhöht. »In den letzten Jahren waren aber nur noch geringfügige Verschiebungen in Richtung der risikoärmeren Wirkstoffe zu beobachten«, kritisiert AOK-Vertreterin Eymers.

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