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Lymphsystem
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Filternetz und Polizei des Körpers

Neben dem Blutkreislauf ist das Lymphsystem das zweite große Transportsystem des Körpers. Es ist ein wichtiger Teil des Immunsystems und entsorgt mit einem dichten Netzwerk an Gefäßen Abfallprodukte von Stoffwechselprozessen, Zelltrümmer und Schadstoffe. Auch am Verblassen einer Tätowierung ist das Lymphsystem beteiligt.
AutorKontaktBarbara Staufenbiel
Datum 17.11.2024  08:00 Uhr

Geschwollene Lymphknoten

Beim Filtrationsprozess in den Lymphknoten kommt es zu einer Immunreaktion auf angeschwemmte Erreger oder Antigene. Dies löst eine Zellproliferation aus. Dabei können sich Lymphknoten auf mehr als 1 cm vergrößern. Diese Lymphadenopathie kann vereinzelt auf einen Körperbereich begrenzt sein oder generalisiert mehrere nicht zusammenhängende Regionen betreffen.

Die lokale Lymphadenopathie ist am häufigsten und wird oft von Symptomen wie Fieber, Schmerzen, Gelenkproblemen und Ermüdung begleitet. Seltener ist die Lymphknotenschwellung auf maligne oder chronische systemische Erkrankungen zurückzuführen. Die Ursachen sind vielfältig: Infektionen durch Viren, Bakterien, Parasiten oder Pilze, Autoimmunerkrankungen oder Arzneimittelnebenwirkungen.

Zu den Virusinfektionen zählen »Kinderkrankheiten« wie Windpocken (Varizellen-Infektion), Masern, Mumps und Röteln. Da sie gefährliche Spätfolgen verursachen können, ist in der Apotheke auf den Impfschutz nach den Vorgaben der Ständigen Impfkommission (Stiko) hinzuweisen.

Das Apothekenpersonal kann bei Herpes-simplex-Infektionen lokal Virustatika (Aciclovir, Pencivir) empfehlen. Das große Spektrum der Erkältungserkrankungen durch Rhino-, Adeno-, Influenza- oder Coronaviren, RSV, Otitis media oder Infektionen mit dem Epstein-Barr-Virus (infektiöse Mononukleose) können symptomatisch mit Ibuprofen bei Fieber oder Halsschmerzen sowie mit systemischen oder lokalen Sympathomimetika zur Abschwellung der Nasenschleimhaut gelindert werden. Hilfreich sind zudem der patentierte Extrakt aus Ampfer, gelbem Enzian, Holunder, Eisenkraut, Schlüsselblume und definiertem Eucalyptusextrakt sowie Cineol zur Verflüssigung von Schleim. Bei Abgabe von OTC-Produkten sind Kontraindikationen und die Grenzen der Selbstmedikation immer zu beachten.

Bakterielle Infektionen wie Pharyngitis, Gingivitis und Parodontitis sind häufig durch Staphylokokken, seltener durch Streptokokken bedingt. Ist der Erreger nachgewiesen, werden Antibiotika eingesetzt.

Parasitäre Erkrankungen, die zur Lymphadenopathie führen können, sind Toxoplasmose (enger Kontakt mit Katzen), Borreliose (Zeckenstich) oder tropische Infektionen. Gegen Candida albicans als Verursacher von Mundsoor sind Azol- oder Polyen-Antimykotika lokal hilfreich. Das Apothekenteam sollte auf die möglichst lange Verweildauer des Arzneimittels im Mund hinweisen.

Zu den Autoimmunerkrankungen zählen der systemische Lupus erythematodes (SLE), die juvenile idiopathische Arthritis (JIA) sowie das Sjögren-Syndrom. Systemische rheumatische Erkrankungen wie das Kawasaki-Syndrom oder die Sarkoidose verursachen ebenfalls vergrößerte Lymphknoten.

Auch eine Reihe von Medikamenten kann eine Lymphadenopathie bedingen. Dazu zählen Antikonvulsiva (wie Carbamazepin, Phenytoin, Lamotrigin), Antibiotika (wie Penicilline, Cephalosporine, Pyrimethamin und Sulfonamide) sowie andere Stoffe wie Allopurinol, Atenolol, Captopril und Chinidin.

Ebenso kommen Tätowierungen in Betracht. Durch das Einstechen der Nadeln können Erreger eingeschleppt werden, außerdem sammeln sich Pigmente in Lymphknoten oder Leber an (Kasten).

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