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Nicht alkoholische Fettlebererkrankung

Fast jeder Vierte in Deutschland betroffen

Die nichtalkoholische Fettlebererkrankung (NAFLD) als Folge von Fehlernährung und Bewegungsmangel ist weltweit die häufigste chronische Lebererkrankung. In Deutschland wird ihre Prävalenz auf 23 Prozent in der Allgemeinbevölkerung geschätzt.
Christiane Berg
13.05.2021  11:00 Uhr

Die NAFLD tritt oft gemeinsam mit Diabetes mellitus Typ 2, Hypertonie und Dyslipidämie und somit metabolischen Syndromen auf. Ihr Symptomspektrum reicht von der einfachen Fettleber mit lichtmikroskopisch fassbaren Einlagerungen von Lipiden in das Zytoplasma der Hepatozyten (Steatose) über die nicht alkoholische Steatohepatitis (NASH) bis hin zur Entwicklung von Fibrosen und Zirrhosen mit Bindegewebsvermehrung und letztlich auch hepatozellulären Karzinomen (HCC).

Um schwerwiegende Spätfolgen wie Zirrhose und Krebs zu vermeiden beziehungsweise zu mindern, ist die frühe Diagnose in Abgrenzung auch von alkohol-, autoimmun-, genetisch- oder viralbedingten Leberkrankungen entscheidend. Menschen mit entsprechenden Risikofaktoren sollten daher regelmäßig in der Hausarzt-Praxis ihre Leberwerte im Blut (Gamma-GT, ALT/GPT) bestimmen lassen, betonte Professor Dr. Frank Tacke, Berlin. »Eine unbehandelte Leberzirrhose ist eine hochmaligne Erkrankung«, warnte der Hepatologe auf der Online-Jahres-Pressekonferenz der Deutschen Gesellschaft für Gastroenterologie, Verdauungs- und Stoffwechselkrankheiten (DGVS). Vielfältige Komplikationen könnten verhindert werden, wenn entsprechende Vorsorge und Kontrollen auch mittels spezieller Ultraschalltechniken eingeleitet werden.

Tacke machte deutlich, dass die Prognose abhängig vom Stadium der Fibrose beziehungsweise Zirrhose, sprich: der »Lebervernarbung«, ist. Ist das Gewebe erst zugrunde gegangen, kann oft nur eine Transplantation das Leben der Patienten retten. »Fibrosen und Zirrhosen können sich jedoch zurückbilden, wenn die Ursachen rechtzeitig behandelt werden«, hob er hervor.

Engmaschige Verlaufskontrollen unumgänglich

Generell entscheidend sei ein entsprechender Lebensstil in Form von adäquater Ernährung und körperlicher Aktivität sowie Gewichtsreduktion bei Übergewicht. Bei starker Fettleibigkeit können Antiadiposita oder auch endoskopische beziehungsweise chirurgische Therapieoptionen (Magenbypass, Magenballon) unumgänglich werden.

Kann auch die dauerhafte Einnahme von Medikamenten zur Therapie chronischer Grunderkrankungen, so unter anderem von spezifischen Analgetika, Chemotherapeutika, Kortikosteroiden oder Antibiotika, die Leber beeinträchtigen, so müssen hier gegebenenfalls Alternativmaßnahmen ergriffen werden. Stichwort Genussmittel: NAFLD-Patienten sollen leitliniengemäß zudem über die Risiken des parallelen Nikotin- und Alkoholkonsums aufgeklärt werden. Kaffee könne aufgrund hepato- und kardioprotektiver Effekte empfohlen werden.

Von den insgesamt etwa 18 Millionen betroffenen Menschen mit einer Fettleber-Erkrankung in Deutschland, so Tacke, würden etwa 15 Prozent unbehandelt einen schweren Verlauf in Form einer NASH erleiden. Offiziellen Schätzungen gemäß leidet derzeit circa eine Million Menschen in Deutschland an einer Leberzirrhose. Bis 2030, so Tacke, sei, sofern keine Gegenmaßnahmen bei gleichzeitiger Änderung des Lebensstils ergriffen werden, mit einer Zunahme auf etwa 1,5 Millionen Betroffenen zu rechnen.

Das muss nicht sein. Denn: »Einmal Zirrhose, immer Zirrhose – das stimmt nicht«, unterstrich im weiteren Verlauf der Veranstaltung auch Professor Dr. Heiner Wedemeyer, Hannover. Frühe Leberfibrosen und -zirrhosen seien reversibel. Auch Komplikationen in fortgeschrittenen Erkrankungsstadien wie die Entstehung von Bauchwasser, Gelbsucht oder Blutungen aus Krampfadern in der Speiseröhre ließen sich, so Wedemeyer, durch die engmaschige klinische, laborchemische und bildgebende medizinische Überwachung sowie entsprechend angepasste medikamentöse und chirurgische Therapiemaßnahmen verhindern beziehungsweise lindern.

Der Umfang und die Intervalle der ärztlichen Verlaufskontrollen müssten sich nach der Zahl und Ausprägung der Komorbiditäten sowie dem Ausmaß der Lebererkrankung richten. So oder so: Diese könnten nicht zuletzt durch die rechtzeitige Entdeckung von Leberzellkarzinomen in frühen Stadien entscheidend zur Lebensverlängerung beitragen.

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