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Apothekengeschichte
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Europas älteste Apotheken

Apotheken sind zuweilen Orte, die traditionelle Räumlichkeiten und Geschichtsträchtigkeit mit moderner Arzneimittelversorgung kombinieren. Die PZ hat sich auf die Suche nach den ältesten Apotheken Europas gemacht, die noch immer den Betrieb aufrechterhalten.
AutorKontaktPaulina Kamm
Datum 07.08.2026  18:00 Uhr

Die 1221 im italienischen Florenz gegründete »Officina Profumo-Farmaceutica di Santa Maria Novella« gehört laut eigener Unternehmenswebsite mit zu den ältesten Apotheken der Welt. Die Räumlichkeiten befinden sich demnach im namensprägenden Dominikanerkloster »Santa Maria Novella«. Doch auch die übrigen drei Namen verraten einiges über den Betrieb.

Der Begriff »Officina« ist hierbei trügerisch, denn er entspricht nicht der deutschen Offizin, sondern der Rezeptur. Sie ist laut der offiziellen Website der »Officina Profumo-Farmaceutica di Santa Maria Novella« die Werkstatt und der Herstellungsbereich innerhalb des Klosters, während in der vorderen »Spezieria« Kundinnen und Kunden empfangen werden.

In der Mitte des 19. Jahrhunderts wurde »Profumo« als Teil des Namens aufgenommen. Der Zusatz sollte von 1848 bis 1871 die kommerzielle Neuausrichtung auf Kosmetik und feine Düfte signalisieren. Zuvor wurden die hier hergestellten Präparationen laut eigenen Angaben des Unternehmens ausschließlich als Arzneien oder Mittel der Hygiene kategorisiert.

Der Begriff »Farmaceutica« verweist demnach auf mehrere hundert Jahre, in denen Dominikanermönche als lizenzierte Experten arbeiteten: »ausgebildete Hersteller galenischer Präparationen, therapeutischer Heilmittel und medizinischer Latwergen«, heißt es auf der Homepage der historischen italienischen Apotheke.

Die »Antica Spezieria di Santa Maria Novella« als öffentliche Apotheke

Unter »Antica Spezieria di Santa Maria Novella« wurde die Officina vom 15. Oktober 1612 bis 1659 zur öffentlichen Apotheke. Der damalige Konvent hatte laut Angaben der Unternehmenswebsite beschlossen, die Apotheke auch für Kundinnen und Kunden, die nicht zur Glaubensgemeinschaft gehörten, zu öffnen. Zuvor dienten »Orto dei Semplici / Aromateria«, also der Garten und die Destillationsräume, der hausinternen Versorgung des Klosters.

Von 1659 bis 1848 enthielt die »Fonderia di Sua Altezza Reale« ein für damalige Zeiten neumodisches alchemistisches Destillationslabor und wurde offizieller Lieferant des Medici-Hofs, heißt es auf der Homepage der italienischen Apotheke.

1871 erhielt die Officina den Namen, den sie bis heute trägt. Nach der Aufhebung der Dominikaner-Ordensgemeinschaften wurde die Officina 1871 offiziell als weltliches Privatunternehmen registriert. Bis heute beherbergt sie demnach die architektonischen und dekorativen Relikte von acht Jahrhunderten Geschichte, zum Beispiel die Baustrukturen einer mittelalterlichen Kapelle und geschnitzte Apothekenschränke aus dem 18. Jahrhundert.

Von Ragusa nach Dubrovnik

Auch die 1317 gegründete »Ljekarna Male braće« (übersetzt: Apotheke der Minderbrüder, auch Franziskanerapotheke genannt) im kroatischen Dubrovnik war ursprünglich eine Klosterapotheke zur Versorgung ihrer Mönche. »Da die Apotheke bis heute ununterbrochen betrieben wurde, ist sie die ›dienstälteste‹ Apotheke Europas«, heißt es auf ihrer eigenen Website.

Geschichtliche Aufzeichnungen, das Archiv und die Bibliothek verbrannten demnach beim Erdbeben 1667. Den Forschenden Paola Albini und Andrea Rovida vom Istituto Nazionale di Geofisica e Vulcanologia in Rom zufolge gehörte die damalige »Republik von Ragusa« zu den am heftigsten durch das Beben beschädigten Regionen. Auch das medizinische Equipment der Apotheke wurde den Ordensmitgliedern 1947 zeitweise genommen und staatlichen Behörden zugeführt. Man arbeite derzeit an einer Rückführung, heißt es.

Ein Bestand an Büchern aus dem Gebiet der Pharmazie und der Medizin überlebte laut der eigenen Website der Franziskanerapotheke das Erdbeben. Die Bücher, Hunderte von Rezepten und Apothekenzubehör aus dem 15. Jahrhundert sind den Angaben zufolge heute im 1955 eröffneten Museum ausgestellt. Während die Apotheke früher Arzneien aus Naturprodukten herstellte, verkauft sie heute hauptsächlich fertige Medikamente.

Die wohl älteste Apotheke Deutschlands

Im selben Jahr 1241, als Kaiser Friedrich II. das »Edikt von Salerno« erließ, wurde auch die folgende Apotheke erstmals urkundlich dokumentiert: die »apoteca sita super fossatum«, die heutige Löwen-Apotheke in Trier. Damals befand sie sich der eigenen Unternehmenswebsite zufolge auf dem Graben des Trierer Domberings.

Bis heute kann man den Angaben zufolge einen Teil der Mauer im Keller und eine originalgetreue Nachbildung der Urkunde im Verkaufsraum der Apotheke besichtigen. »Seit 1660 ist die Apotheke unter verschiedenen Namen im Besitz der heutigen Eigentümerfamilie«, steht auf der Website der Löwen-Apotheke.

Medienberichten zufolge war die Apotheke zunächst ein Geschenk. Ein Trierer Kellermeister hat demnach seine Apotheke an ein Damenstift übertragen. Heute leitet Luzie Schmiz-Rölz die wohl älteste Apotheke Deutschlands – und das inzwischen in der elften Generation.

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