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Med-Tech-Branche
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Etwas Zuversicht, viel Reformdruck

Mit einem Zehn-Punkte-Plan will der Bundesverband Medizintechnologie (BVMed) Druck auf die Bundesregierung ausüben. Die Branche blicke zwar etwas optimistischer auf ihre Geschäftsentwicklung, hieß es bei der Jahrespressekonferenz. Sie sehe bei Bürokratieabbau, Innovation und Regulierung aber weiteren Handlungsbedarf.
AutorKontaktCornelia Dölger
Datum 06.10.2026  13:25 Uhr

Die politische und wirtschaftliche Lage in Deutschland sei mittlerweile dramatisch, so der BVMed-Vorstandsvorsitzende Mark Jalaß. Einen Weg aus der Krise könne die Innovationskraft der industriellen Gesundheitswirtschaft weisen, das habe die Bundesregierung erkannt, müsse aber nun auch liefern. Am Pharma- und Medizintechnikdialog der Bundesregierung nehme der BVMed intensiv teil, betonte Jalaß. Dieser Dialog müsse verstetigt werden.

Mit einem Katalog an Forderungen positioniert sich die Branche. Grundsätzlich fordert der Zehn-Punkte-Plan bessere Rahmenbedingungen für die Medizintechnikbranche. Im Fokus stehen ein konsequenter Bürokratieabbau, insbesondere durch eine Reform der EU-Medizinprodukteverordnung (MDR), mehr Planungssicherheit für Unternehmen, die Stärkung von Innovationen und Exporten sowie eine bessere Nutzung von KI und Gesundheitsdaten. Darüber hinaus setzt sich der Verband für eine auskömmliche Krankenhausfinanzierung, die Stärkung der ambulanten Versorgung, mehr Prävention und eine frühzeitige Einbindung der Branche in die Krisenvorsorge ein.

Die aktuellen Pläne der Regierungskoalition, Hilfsmittel-Ausschreibungen wieder zu ermöglichen, lehnt die Branche entschieden ab. Es gebe damit keine Ersparnis, sondern nur schlechtere Versorgung und damit höhere Folgekosten, warnte Jalaß. Der BVMed werde dazu den Dialog mit der Bundesregierung suchen und auch daran arbeiten, gemeinsam mit den Kassen eine Lösung zu finden, die für alle Seiten praxistauglich sei.

Auch vor dem geplanten befristeten Preisabschlag von drei Prozent auf Hilfsmittel- und Pflegehilfsmittelversorgungen warnt der Verband. Etwa bei Sanitätshäusern gebe es schon heute keine hohen Margen, so Jalaß. Wenn nun mit den neuen Sparplänen eine Kürzung komme, führe das zwangsläufig zu Leistungseinschränkungen.

Stimmung etwas besser, aber…

Die Stimmung in der Branche hat sich derweil etwas aufgehellt, wie die alljährliche Herbstumfrage des Verbands unter seinen Mitgliedsunternehmen ergeben hat. Demnach erwarten die 120 teilnehmenden BVMed-Mitgliedsunternehmen in Deutschland für dieses Jahr einen Umsatzanstieg von 3,9 Prozent gegenüber 2025. Allerdings verbinden sie mit ihrer Zuversicht klare Erwartungen an die Politik. So müssten die MDR-Revision, der Bürokratieabbau und ein besserer Innovationszugang vorangetrieben werden. Zudem sei die Umfrage vor der Verabschiedung des GKV-Spargesetzes durchgeführt worden.

Getrübt wird die Stimmung laut der Umfrage zudem durch steigende Kosten etwa für Bürokratie, Zertifizierungen und Personal. Die Branche investiere gleichwohl weiter in Arbeitsplätze und Forschung, wenn auch weniger als in den Vorjahren. Man erhoffe sich eine Stärkung des Standorts durch die Politik.

Dass die Med-Tech-Branche als Leitwirtschaft anerkannt und in den Pharmadialog aufgenommen worden sei, wertete Marc-Pierre Möll, Geschäftsführer und Vorstandsmitglied des BVMed, als Chance. Aufgeschobene Reformen würden allmählich angegangen, was die Branche verhalten optimistisch stimme. Bei den Sparplänen schieße die Bundesregierung aber übers Ziel hinaus, hier müsse nachgebessert werden.

Telemonitoring als Regelleistung

Der BVMed fordert zudem einen schnelleren Zugang digitaler Medizintechnik-Lösungen wie des Telemonitorings zur Regelversorgung. Nach Ansicht von BVMed-Vize Dorothee Stamm braucht es dafür einen eigenständigen Vergütungsweg, da die bestehenden Strukturen und Erstattungsverfahren Innovationen ausbremsen. Ziel sei, digitale Versorgungsformen schneller in die Praxis zu bringen und sektorenübergreifend nutzbar zu machen.

Zudem wurde eine Studie vorgestellt, die das unabhängige Wirtschaftsforschungsinstitut WifOR im Auftrag des BVMed durchgeführt hat. Diese schätzt die Krankheitslast der koronaren Herzkrankheit in Deutschland auf 59,4 Milliarden Euro jährlich. Medizintechnische Innovationen könnten laut der Studie dazu beitragen, diese Belastung deutlich zu reduzieren.

MDR als Innovationsbremse?

Auch der Umgang mit Innovationen beschäftigt die hiesige Branche. Im Fokus der Kritik: die MDR und ihre bürokratischen Hürden und langen Zertifizierungsverfahren. Der Verband mahnte dringend eine Reform an. Es sei kein Wunder, dass der allergrößte Teil der befragten Unternehmen inzwischen das US-Regulierungssystem FDA bevorzuge, das Medizinprodukte selbst prüfe.

Die innovativsten Medizinprodukte gebe es inzwischen in den USA, so BVMed-Vorstand Möll. Der Trend lasse sich nicht kurzerhand wieder umkehren. Deutschland gehöre als Med-Tech-Standort gleichwohl weiter zu den Top 3 nach den USA und China.

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