| Theo Dingermann |
| 03.08.2026 10:30 Uhr |
War China früher vor allem für billige Wirkstoff- und Generika-Herstellung bekannt, haben chinesische Pharmafirmen mittlerweile die meisten Innovationen in ihren Pipelines, auch bei Biologika. / © Getty Images/Lu ShaoJi
Die globale Pharmaindustrie erlebt derzeit einen tiefgreifenden Strukturwandel. China exportiert längst nicht mehr nur Wirkstoffe und Generika, sondern zunehmend auch pharmazeutische Innovationen. Wie weit dieser Wandel bereits fortgeschritten ist, zeigt eine umfangreiche Recherche der Pharma-Reporterin Helena Smolak im »Handelsblatt«. Das Fazit: China entwickelt sich vom kostengünstigen Produktionsstandort zu einem der wichtigsten Innovationszentren der weltweiten Arzneimittelforschung.
Dass die Entwicklung im Bereich der Biotechnologie in China inzwischen auch die Vorstandsetagen westlicher Pharmakonzerne beschäftigt, verdeutlichen die Aussagen führender Branchenvertreter. Pfizer-Chef Albert Bourla erwartet, dass chinesische Unternehmen bis zum Ende des Jahrzehnts zu den wichtigsten Wettbewerbern der etablierten Pharmakonzerne zählen werden. Ihren Vorsprung sieht Bourla in einer Entwicklungskultur, die neue Arzneimittel »zum halben Preis und dreimal schneller« hervorbringen könne. Dahinter stehen massive staatliche Investitionen in Forschung und Entwicklung, beschleunigte Zulassungsverfahren sowie ein Innovationsökosystem, das über Jahre gezielt aufgebaut wurde.
Wie Analysen, die auf der Plattform »Biopharma Dealmakers« im September 2025 veröffentlicht wurden, zeigen, begann dieser Umbau bereits Mitte der 2010er-Jahre. Die chinesische Regierung erklärte die Biotechnologie zur strategischen Schlüsselindustrie, reformierte die Arzneimittelregulierung nach internationalen Standards und etablierte leistungsfähige Forschungscluster in Shanghai, Peking, Suzhou und Guangzhou. Zusammen mit einer großen Zahl verfügbarer Studienteilnehmer und einer stetig wachsenden Zahl hochqualifizierter Wissenschaftler entstanden Voraussetzungen, die Entwicklungszeiten neuer Arzneimittel deutlich verkürzten.
Inzwischen reicht der heimische Markt für viele chinesische Unternehmen nicht mehr aus. Die nächste Wachstumsphase führt zwangsläufig nach Europa und Nordamerika. Noch unterhalten chinesische Hersteller dort nur vereinzelt eigene Forschungs- oder Produktionsstandorte. Die Expansion erfolgt stattdessen über Partnerschaften mit westlichen Pharmakonzernen, Unternehmensübernahmen und den Aufbau internationaler Tochtergesellschaften. Der Handelsblatt-Artikel nennt als Beispiele Innovent, Hutchmed, Jiangsu Hengrui und BeOne Medicines. Sie zeigen, dass chinesische Unternehmen unterschiedliche Strategien verfolgen, das gemeinsame Ziel jedoch dasselbe ist: eine dauerhafte Präsenz auf den wichtigsten Pharmamärkten der Welt.