China ist ein wichtiger Produzent von Ausgangsstoffen für Arzneistoffe. Darüber hinaus werden in dem asiatischen Land zunehmend auch innovative Arzneistoffe entwickelt und hergestellt. / © Getty Images/lupengyu
Die wachsende internationale Bedeutung des chinesischen Arzneimittelmarktes spiegelt sich unter anderem in der Zulassungsstatistik und in den in China entwickelten Produkten wider. Im Jahr 2025 wurden von der zuständigen chinesischen Behörde National Medical Products Administration (NMPA) 289 Arzneimittel zugelassen. 157 (54 Prozent) enthalten einen chemisch-synthetischen Arzneistoff, 106 (37 Prozent) ein Biologikum. Weitere 26 (9 Prozent) gehören zur Gruppe der traditionellen chinesischen Arzneimittel (TCM). Impfstoffe, Biosimilars und In-vitro-Diagnostika sind in dieser Statistik nicht berücksichtigt.
Mehr als die Hälfte der Arzneimittel (54 Prozent) stammen von chinesischen Pharmaunternehmen, womit im Jahr 2025 erstmals mehr inländische als importierte Arzneimittel in China zugelassen wurden.
Wie in den USA und Europa ist auch in China die Onkologie das dominierende Therapiegebiet der Neuzugänge (39 Prozent aller neu zugelassenen Arzneimittel), gefolgt von neurologischen Erkrankungen (10 Prozent), endokrinen und Stoffwechselerkrankungen (9 Prozent) und Immunerkrankungen (8 Prozent). 30 Arzneimittel wurden für die Behandlung seltener Erkrankungen, 37 für pädiatrische Anwendungen zugelassen.
Rund ein Viertel aller Arzneimittel wurde über eine Accelerated Drug Marketing Registration Procedure (ADMRP) beschleunigt zur Zulassung gebracht, wovon 29 Produkte als bahnbrechend eingestuft wurden. Die durchschnittliche Prüfdauer für die per ADMRP zugelassenen Arzneimittel betrug 299 Tage und war damit deutlich kürzer als die Standardverfahren mit durchschnittlich 470 Tagen. Insgesamt hat sich die Prüfdauer für beide Verfahren in den letzten fünf Jahren verkürzt.
Als innovative Arzneimittel gelten in China solche, die chemisch-synthetische Arzneistoffe, Biologika oder TCM-Rezepturen/-Präparate enthalten, die bisher nicht im chinesischen Arzneimittelkodex gelistet waren. Im Zulassungsjahr 2025 fielen in diese Gruppe 112 Produkte, darunter 76 Arzneimittel, die zum Zeitpunkt der Zulassungsantragstellung in China noch in keinem Land der Welt vermarktet wurden (Arzneimittel der Klasse I). 65 Klasse-I-Arzneimittel hatten ihren Ursprung in China, 11 im Ausland. Bei den übrigen innovativen Arzneimitteln handelt es sich um Importarzneimittel, die bereits über eine Zulassung außerhalb von China verfügten.
Die Pharmaindustrie ist in China ein wichtiger Wirtschaftszweig. / © Getty Images/7postman
Unter den aus China stammenden Klasse-I-Arzneistoffen verfügen einige über interessante Wirkmechanismen und hohe klinische Relevanz. Siltartoxatug ist ein von Zhuhai Trinomabs entwickelter monoklonaler Antikörper zur Tetanus-Postexpositionsprophylaxe, der sich gegen das Tetanustoxin richtet. Es ist eine Alternative zum aus Humanplasma gewonnenen Tetanus-Immunglobulin, welches bisher die einzige empfohlene passive Immuntherapie zur Tetanusprophylaxe war, wobei dessen Verfügbarkeit stark eingeschränkt ist.
Onradivir ist ein niedermolekularer RNA-Polymerase-Hemmer, der an die Cap-Bindungsdomäne des Polymerase-Basisproteins 2 bindet, eine Untereinheit des RNA-Polymerase-Komplexes. Es wurde von Guangdong Raynovent Biotech entwickelt und erhielt eine Zulassung für die Behandlung der unkomplizierten Influenza A bei Erwachsenen.
Olgotrelvir (STI-1558) hemmt sowohl die SARS-CoV-2-Hauptprotease Mpro, ein für die Replikation des SARS-Coronavirus-2 essenzielles Enzym, als auch humanes Cathepsin L (CTSL), ein Schlüsselenzym für das Eindringen von SARS-CoV-2 in Wirtszellen. Es wurde von Zhejiang Acea entwickelt und ist zugelassen für die Behandlung von leichtem bis mittelschwerem Covid-19.