Familienministerin Karin Prien verwies in einem Interview des Portals »The Pioneer« darauf, dass die CDU ihre Programmatik erst im Februar mit einem Parteitagsbeschluss verschärft habe. Demnach ist nicht nur die gewerbliche, sondern auch die sogenannte altruistische Leihmutterschaft mit dem Werteverständnis der CDU nicht vereinbar.
Auf die Frage, ob sie sich vorstellen könne, dass die CDU in naher Zukunft ihre Position verändere und etwas liberalisiere, sagte sie: »Das kann ich mir kaum vorstellen.« Befragt dazu, was ihr beim Thema Leihmutterschaft durch den Kopf gehe, erklärte Prien: »Das muss unendlich schwer sein. Ich kann mir das persönlich ehrlicherweise nicht vorstellen.« Denn man baue gerade in den neun Monaten einer Schwangerschaft eine starke Bindung zu dem Kind auf. Prien ist selbst Mutter von drei Kindern.
Auf der anderen Seite sehe sie natürlich auch das Dilemma von Paaren, die aus medizinischen Gründen keine eigenen Kinder austragen könnten, sagte Prien. »Das ist ein ganz furchtbares Schicksal, mit dem man sich abfinden können muss«, sagte sie. Dass das schwerfalle und dass individuelle Entscheidungen mit Blick auf Möglichkeiten im Ausland vielleicht anders ausfallen könnten, könne sie zumindest nachvollziehen.
Prien zeigte sich offen dafür, das Gesetz »an der einen oder anderen Stelle« noch einmal genauer zu betrachten und vielleicht auch das Adoptionsrecht. Dazu müsse sich die derzeit aufgeheizte Situation aber erst einmal etwas beruhigen.
Die Arbeitsgemeinschaft Sozialdemokratischer Frauen in der SPD hat sich beim Thema Leihmutterschaft noch nicht positioniert. Die Meinungsbildung sei noch nicht abgeschlossen, sagte die Co-Vorsitzende Ulrike Häfner den Funke-Zeitungen. Grundsätzlich kritisierten die Frauen in der SPD die zunehmende »Kommerzialisierung von Frauen in der Reproduktionsmedizin und die Ausnutzung ihrer materiellen Notlagen«.
Auch in der Linksfraktion im Bundestag verweist man auf ein mögliches finanzielles Ungleichgewicht zwischen Leihmutter und den Paaren, die Eltern werden wollen. Die frauenpolitische Sprecherin Kathrin Gebel sieht auch altruistische Varianten kritisch: »Gesundheitliche Risiken, Abhängigkeiten und familiärer Druck« verschwänden nicht automatisch, nur weil offiziell kein Geld fließe, so Gebel.