Pharmazeutische Zeitung online Avoxa
whatsApp instagram facebook bluesky linkedin xign

WHO-Chef zu Ebola
-
»Es wird erst noch schlimmer werden, bevor es besser wird«

Mehr als 200 Tote, zahlreiche Verdachtsfälle: Die WHO sieht die Ebola-Epidemie noch nicht unter Kontrolle. Warum der Kampf gegen das Virus eine besondere Herausforderung bleibt.
AutorKontaktdpa
AutorKontaktPZ
Datum 26.05.2026  12:00 Uhr

Der Ebola-Ausbruch in Afrika dürfte sich nach Angaben des Chefs der Weltgesundheitsorganisation (WHO), Tedros Adhanom Ghebreyesus, weiter zuspitzen, bevor er unter Kontrolle gebracht wird. »Wir stehen vor einem äußerst ernsten und schwierigen Ausbruch», sagte er am Montag nach WHO-Angaben bei einem virtuellen Austausch mit Gesundheitsministern aus Afrika. »Es wird erst noch schlimmer werden, bevor es besser wird.«

Man tue alles, um Ausrüstung in die betroffene Region zu bringen und die Eindämmungsmaßnahmen voranzubringen. Dazu gehört etwa, das Vertrauen der Bevölkerung zu gewinnen und Kontaktpersonen von möglicherweise Infizierten zu isolieren. »Doch derzeit ist die Epidemie uns noch einen Schritt voraus«, sagte er. Er werde persönlich am Dienstag in die Demokratische Republik Kongo reisen, kündigte Tedros in Genf an. Die dortige Regierung hat bereits mehr als 100 Fälle durch Labortests bestätigt, zehn davon bei inzwischen Verstorbenen. Zudem nennt sie mehr als 900 Verdachtsfälle. Mehr als 200 Kranke sind nach diesen Angaben verstorben. Unsicherheit, Abgeschiedenheit der Region und schwache Infrastruktur machen den Einsatz schwierig.

Seltener Bundibugyo-Typ des Ebolavirus

Der Ebola-Ausbruch begann laut der afrikanischen Gesundheitsbehörde Africa CDC im Kongo in der nordöstlichen Provinz Ituri, die an Uganda und den Südsudan grenzt. Es handelt sich um den insgesamt 17. registrierten Ebola-Ausbruch im Kongo seit 1976. Der Ausbruch des seltenen Bundibugyo-Typs des Ebolavirus, gegen den es weder einen Impfstoff noch eine spezielle Therapie gibt, macht die Lage besonders schwierig.

Der Ausbruch hat möglicherweise früher begonnen als bisher angenommen. Drei freiwillige Rotkreuz-Helfer hätten sich wahrscheinlich schon am 27. März infiziert, als sie mit Toten in der Provinz Ituri in der Demokratischen Republik Kongo in Kontakt kamen, teilte die Föderation der Rotkreuz- und Rothalbmondgesellschaften (IFRC) in Genf mit. Sie seien in einer anderen humanitären Angelegenheit im Einsatz gewesen, bevor bekannt wurde, dass das Ebolavirus grassiert. Sie starben den Angaben zufolge am 5., 15. und 16. Mai.

Ausbruch blieb wochenlang unentdeckt

Bislang war die früheste bekannte Infektion des aktuellen Ausbruchs ein Mann aus dem Kongo, der am 24. April mit Symptomen behandelt und drei Tage später gestorben war. Die ersten Ebola-Fälle waren erst am 15. Mai im Labor bestätigt worden. Am 17. Mai erklärte die Weltgesundheitsorganisation (WHO) eine gesundheitliche Notlage von internationaler Tragweite. Zu diesem Zeitpunkt gab es bereits mehr als 240 bekannte mutmaßliche Infektionen.

Experten gehen davon aus, dass der Ausbruch über Wochen unentdeckt blieb. Häufungen von ungeklärten Todesfällen wurden bereits vorher untersucht. Da es sich bei dem aktuellen Ausbruch aber um den seltenen Bundibugyo-Typ des Ebolavirus handelt, wurde der Erreger mit herkömmlichen Tests zunächst nicht bestätigt.

Jeder Dritte hält Ebolavirus für einen Mythos

Bei ihrem Kampf gegen den Ebola-Ausbruch müssen sich die Helfer in Zentralafrika auch mit Aberglauben und Unwissenheit auseinandersetzen. In der Provinz Ituri mit den meisten Verdachtsfällen hält nach Angaben der Hilfsorganisation ActionAid etwa jeder Dritte die Krankheit für einen Mythos. »Wir kämpfen nicht nur gegen ein tödliches Virus, sondern auch gegen Mythen, Angst und tiefsitzendes Misstrauen«, sagte Saani Yakubu, Landesdirektor von ActionAid in der Demokratischen Republik Kongo.

»Wir arbeiten intensiv daran, in den Gemeinden Aufklärungskampagnen durchzuführen, um Mythen und falsche Informationen zu widerlegen.« Dies solle die Bevölkerung auch zu einem »schutzorientierten Verhalten« führen. Denn während manche die Existenz von Ebola komplett leugnen, glaubten andere, sich mit starken alkoholischen Getränken vor einer Ansteckung schützen zu können.

Wiederholt Angriffe auf Kliniken und Streit um Tote

Das mangelnde Wissen hat in den vergangenen Tagen wiederholt zu Konfrontationen geführt. Zuletzt waren am Sonntag Ebola-Patienten aus dem Krankenhaus in der Ortschaft Mungwalu geflohen, als Angehörige eines Toten Behandlungszelte in Brand setzten, weil ihnen die Herausgabe der Leiche eines Verstorbenen verweigert wurde. Auch verstorbene Ebola-Patienten sind hochansteckend und müssen unter Beachtung von Sicherheitsmaßnahmen beigesetzt werden. Die geflüchteten Ebola-Patienten wurden bisher nicht wieder gefunden.

Ebola ist eine ansteckende und lebensbedrohliche Infektionskrankheit. Das Virus wird durch Körperkontakt und Kontakt mit Körperflüssigkeiten übertragen. In den Jahren 2014 und 2015 waren bei einer Ebola-Epidemie in Westafrika mehr als 11.000 Menschen gestorben.

Mehr von Avoxa