| Jennifer Evans |
| 19.08.2026 18:00 Uhr |
Während libanesische Patientinnen und Patienten die Apotheke selbstverständlich als erste Anlaufstelle nutzen, sieht es in der Demokratischen Republik Kongo anders aus. Das Misstrauen in das staatliche Gesundheitssystem sei groß, berichtet der Apotheker Pascal Tshisekedi Tshibangu vom Nationalen Apothekerrat, der zugleich als Außerordentlicher Professor an der Universität Kinshasa forscht. »Viele Menschen suchen lieber traditionelle Heiler auf«, sagt er.
Zwar kämen viele Betroffene im Zweifelsfall bevorzugt zunächst in die Apotheke, bevor sie ein Krankenhaus aufsuchten. Doch in den Offizinen fehlte es an grundlegender Schutzausrüstung – selbst für das Apothekenteam. Zusätzlich erschwerten Lieferschwierigkeiten essenzieller Medikamente sowie wiederkehrende Stromausfälle die Arbeit, weil unterbrochene Kühlketten die Lagerung empfindlicher Präparate unmöglich machten. Das habe die Versorgung und Eindämmung von Ebola‑Infektionen häufig verzögert.
Er kritisierte, dass die Behörden die Apothekerschaft viel zu spät in die Krisenbewältigung einbezogen und nur unzureichend kommuniziert hätten. Dabei liege eine besondere Stärke des Berufsstands darin, das Infektionsgeschehen früh erkennen zu können, und die Möglichkeit, als eine Art Frühwarnsystem für die Gesundheitsbehörden zu agieren. Voraussetzung dafür sei jedoch, dass man sie konsequent einbindet, stärkt und schützt.