| Jennifer Evans |
| 19.08.2026 18:00 Uhr |
Das bestätigte auch Dr. Luna Elbizri, Gründerin und Geschäftsführerin von LunaPharm im Libanon. Dort mussten Apotheken Menschen versorgen, die sich während der Luftangriffe außerhalb der Notunterkünfte befanden. Viele konnten aus finanziellen Gründen nicht ins Krankenhaus. Eine zentrale Aufgabe der Apotheken sei es gewesen, Patientinnen und Patienten auf erschwingliche Behandlungen umzustellen und leichte Beschwerden kostengünstig zu behandeln.
Häufig sei es zunächst darum gegangen, die Menschen zu beruhigen. »Sie kamen verzweifelt, oft mit unbekannten Medikamenten ohne Verpackung und waren mit den generischen Namen nicht vertraut«, sagte Elbizri. Kein Wunder – viele waren gerade um ihr Leben gerannt. Das Apothekenteam habe daher zuerst Vertrauen aufgebaut: mit Empathie, Geduld und klarer Kommunikation. Auch psychische Belastungen hätten sie angesprochen. »Der Krieg interessiert uns nicht. Uns interessieren die Menschen«, betonte sie.
Elbizri gibt nicht auf – selbst nachdem ihre eigene Apotheke in Beirut erst beschädigt und später vollständig zerstört wurde. 18 Jahre lang hatte sie die Offizin geführt. Für sie steht dennoch fest: »Ich werde in dieser Gegend eine neue Apotheke aufbauen. Die Gemeinschaft dort liegt mir am Herzen.«
Während libanesische Patientinnen und Patienten die Apotheke selbstverständlich als erste Anlaufstelle nutzen, sieht es in der Demokratischen Republik Kongo anders aus. Das Misstrauen in das staatliche Gesundheitssystem sei groß, berichtet der Apotheker Pascal Tshisekedi Tshibangu vom Nationalen Apothekerrat, der zugleich als Außerordentlicher Professor an der Universität Kinshasa forscht. »Viele Menschen suchen lieber traditionelle Heiler auf«, sagt er.
Zwar kämen viele Betroffene im Zweifelsfall bevorzugt zunächst in die Apotheke, bevor sie in ein Krankenhaus gingen. Doch in den Offizinen fehle es an grundlegender Schutzausrüstung – selbst für das Apothekenteam. Zusätzlich erschwerten Lieferschwierigkeiten essenzieller Medikamente sowie wiederkehrende Stromausfälle die Arbeit, weil unterbrochene Kühlketten die Lagerung empfindlicher Präparate unmöglich machten. Das habe die Versorgung und Eindämmung von Ebola‑Infektionen häufig verzögert.
Er kritisierte, dass die Behörden die Apothekerschaft viel zu spät in die Krisenbewältigung einbezogen und nur unzureichend mit ihnen kommuniziert hätten. Dabei liege eine besondere Stärke des Berufsstands darin, das Infektionsgeschehen früh erkennen zu können, und die Möglichkeit, als eine Art Frühwarnsystem für die Gesundheitsbehörden zu agieren. Voraussetzung dafür sei jedoch, dass man sie konsequent einbindet, stärkt und schützt, stellte er klar.