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Apotheker im Ausnahmezustand
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Es geht um die Menschen – nicht den Krieg

In Krisen versorgen Apothekerinnen und Apotheker Verletzte, beruhigen traumatisierte Menschen und übernehmen praktische Aufgaben, die weit über die Arzneimittelabgabe hinausgehen. Ein Webinar des Weltapothekerverbands FIP anlässlich des Welttags der humanitären Hilfe am 19. August zeigt, wie unverzichtbar ihre Empathie in humanitären Notlagen ist.
AutorKontaktJennifer Evans
Datum 19.08.2026  18:00 Uhr

Wenig Reibungsverluste

Wie weit Vorbereitung gehen kann, erläuterte Professor Dr. Erwin Faller, Akademischer Direktor am Holy Child Central Colleges auf den Philippinen. Dort sei nicht nur das Gesundheitspersonal geschult, sondern die gesamte Bevölkerung. Jeder Philippiner kenne seine Rolle im Ernstfall, berichtete er.

Für Apothekerinnen und Apotheker gehe es im Notfall um weit mehr als die Versorgung. Sie bräuchten auch funktionierende Workflows für Triage und Panikmanagement. Während der Vulkanausbrüche hätten sie sogar Unterkünfte gebaut, Decken, Matten und Wasser bereitgestellt – für Betroffene ebenso wie für medizinische Fachkräfte. Zudem hätten sie Aufklärungsarbeit geleistet und psychologische Unterstützung organisiert. Aber ausgerechnet die psychische Betreuung für Apothekerinnen und Apotheker nach dem Einsatz in Krisengebieten werde oft unterschätzt, bedauerte Faller.

Versorgung außerhalb der Notunterkünfte

Das bestätigte auch Dr. Luna Elbizri, Gründerin und Geschäftsführerin von LunaPharm im Libanon. Dort mussten Apotheken Menschen versorgen, die sich während der Luftangriffe außerhalb der Notunterkünfte befanden. Viele konnten aus finanziellen Gründen nicht ins Krankenhaus. Eine zentrale Aufgabe der Apotheken sei es gewesen, Patientinnen und Patienten auf erschwingliche Behandlungen umzustellen und leichte Beschwerden kostengünstig zu behandeln.

Häufig sei es zunächst darum gegangen, die Menschen zu beruhigen. »Sie kamen verzweifelt, oft mit unbekannten Medikamenten ohne Verpackung, und waren mit den generischen Namen nicht vertraut«, sagte Elbizri. Kein Wunder – viele waren gerade um ihr Leben gerannt. Das Apothekenteam habe daher zuerst Vertrauen aufgebaut: mit Empathie, Geduld und klarer Kommunikation. Auch psychische Belastungen hätten sie angesprochen. »Der Krieg interessiert uns nicht. Uns interessieren die Menschen«, betonte sie.

Elbizri gibt nicht auf – selbst nachdem ihre eigene Apotheke in Beirut erst beschädigt und später vollständig zerstört wurde. 18 Jahre lang hatte sie die Offizin geführt. Für sie steht dennoch fest: »Ich werde in dieser Gegend eine neue Apotheke aufbauen. Die Gemeinschaft dort liegt mir am Herzen.«

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