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SARS-CoV-2-Diagnostik

Erster CRISPR-Test für das Coronavirus

Die US-amerikanische Arzneimittelbehörde FDA hat die erste Notfallzulassung für einen neuen Coronavirus-Test erteilt, der die Vorteile der Gen-Editier-Technologie CRISPR nutzt.
Theo Dingermann
12.05.2020  09:26 Uhr

Erst in diesen Tagen ermöglichte die US-Arzneimittelbehörde FDAeinem ersten Antigentest zum schnellen Nachweis von SARS-CoV-2 auf Basis eine Notfallgenehmigung (Emergency Use Authorization, EUA) den Marktzugang. Jetzt folgt nach der gleichen Systematik die Zulassung eines neuen Diagnostik-Kits, das die CRISPR-Technologie verwendet. Das diesem Test zugrunde liegende »SHERLOCK«-Verfahren (Specific High-Sensitivity Enzymatic Reporter Unlocking) wurde erstmals von Feng Zhang im Jahre 2017 beschrieben (»Science«, DOI: 10.1126/science.aam9321). Der CRISPR-Pionier forscht am Broad Institute in Cambridge, Massachusetts. Der Test ist für die Verwendung in Laboratorien zugelassen, die ein Zertifikat des Clinical Laboratory Improvement Amendments (CLIA) besitzen.

Der Test wurde von Sherlock Biosciences, einem ebenfalls in Cambridge ansässigen Biotechnologieunternehmen, entwickelt. In diesem Verfahren nutzt man die Fähigkeit des CRISPR-Komplexes, bestimmte Sequenzen mit hoher Spezifität aufzuspüren und Hilfsmittel an diese Sequenzen heranzuführen. In diesem Fall ist das Hilfsmittel die RNase Cas13a. Sie schneidet die RNA dort, wohin sie durch den CRISPR-Komplex dirigiert wurde. Wird die RNA geschnitten, entsteht über Hilfsreagenzien ein fluoreszierendes Leuchten.

Der Test kann nach Angaben des Unternehmens in etwa einer Stunde Ergebnisse liefern. Er ist so programmiert, dass die Virus-RNA, die in einem Rachen- beziehungsweise Nasen-Rachen-Abstrich enthalten ist, durch den CRISPR-Komplex spezifisch gefunden und geschnitten wird.

Auch andere Arbeitsgruppen entwickeln SARS-CoV-2-Diagnosetests auf der Grundlage der CRISPR-Technologie. Im vergangenen Monat veröffentlichten Forscher in San Francisco in »Nature Biotechnology« Details zu einem Test, der in etwa 40 Minuten ein Ergebnisse liefern könnte (DOI: 10.1038/s41587-020-0513-4). Über einen ähnlichen Ansatz berichteten Wissenschaftlern aus Argentinien und Kalifornien in einem Vorabdruck auf »BioRxiv« (DOI: 10.1101/2020.02.29.971127).

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