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Erdnussallergie

Erste orale Immuntherapie in Europa zugelassen

Ziel der oralen Immuntherapie ist es, die überreaktive Immunitätslage des Allergikers zu modifizieren. Durch schrittweise Steigerung der Allergenaufnahme verträgt das Immunsystem nach und nach mehr Erdnussprotein. Somit sinkt die Wahrscheinlichkeit, bei unbeabsichtigter Aufnahme von Erdnüssen mit schweren Symptomen zu reagieren. Die Patienten müssen wissen, dass die OIT nicht gegen andere Nuss- oder Lebensmittelallergien und nicht bei akuten Symptomen hilft.

Der Effekt der Desensibilisierung wurde in zwei randomisierten, doppelblinden, placebokontrollierten Phase-III-Studien (PALISADE und ARTEMIS) mit etwa 670 Patienten untersucht. Primäres Ziel war es, dass die Patienten eine Einzeldosis von mindestens 1000 mg Erdnussprotein bei maximal leichten allergischen Symptomen tolerierten. Dies erreichten rund 50 sowie 58 Prozent der Personen in der Verumgruppe gegenüber rund 2 Prozent unter Placebo. Dass die Wirksamkeit anhält, wurde in Verlängerungsstudien mit einer Erhaltungstherapie mit 300 mg täglich geprüft. Die häufigsten Nebenwirkungen sind Bauchschmerzen, Rachenreizung, Juckreiz und Nesselsucht (Urticaria), Übelkeit und Erbrechen.

Bei einer Allergie gegen Erdnuss können schon sehr geringe Mengen an Erdnussprotein ausreichen, um lebensbedrohliche Symptome hervorzurufen. Daher müssen Erdnussallergiker eine strikt erdnussfreie Diät einhalten und jederzeit einen Adrenalin-Autoinjektor zur Sofortbehandlung schwerer allergischer Reaktionen mit sich führen. Eine Erdnussallergie tritt häufig bereits im Kindesalter auf und bleibt, im Gegensatz zu den meisten anderen Nahrungsmittelallergien, meist lebenslang bestehen.

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