Pharmazeutische Zeitung online Avoxa
whatsApp instagram facebook bluesky linkedin xign

Lassa-Fieber
-
Erste klinische Studie mit Favipiravir

Bislang gibt es gegen die schwere Infektionskrankheit Lassa-Fieber keine Therapieoption mit belegter Wirksamkeit. Deutsche Forschende haben nun erstmals eine klinische Studie durchgeführt. Getestet haben sie den Polymerasehmmer Favipiravir gegen den derzeitigen Standard Ribavirin. 
AutorKontaktJohanna Hauser
Datum 21.05.2026  10:00 Uhr

Das Lassa-Fieber ist eine schwere Infektionskrankheit, die vor allem in Westafrika vorkommt. Es zählt wie Ebola und Dengue-Fieber zu den hämorrhagischen Fiebern, das heißt, es kann mit inneren Blutungen einhergehen. Bei hospitalisierten Patienten liegt die Sterblichkeitsrate bei rund 20 Prozent. Bislang gibt es keine Impfung oder einen Wirkstoff mit belegter Wirksamkeit. Letztere fehlt auch für das seit Jahrzehnten standardmäßig eingesetzte Ribavirin.

Ein internationales Forschungsteam unter Federführung des Bernhard-Nocht-Instituts für Tropenmedizin und des Universitätsklinikums Eppendorf in Hamburg testete nun in einer klinsichen Studie den Polymerasehemmer Favipiravir im Vergleich zu Ribavirin an Patienten mit mildem bis moderatem Lassafieber. Die Ergebnisse sind in »Nature Medicine« veröffentlicht. 

Favipiravir wurde ursprünglich gegen Influenza entwickelt, hemmt aber die Replikation einer Vielzahl von RNA-Viren. An der randomisierten kontrollierten Phase-II-Studie nahmen 41 an Lassafieber erkrankte Patienten teil. Sie erhielten entweder Favipiravir peroral (6000 mg an Tag 1 und 2400 mg an den Tagen 2 bis 10) oder Ribavirin intravenös (100 mg/kg am ersten Tag, gefolgt von 25 mg/kg an den Tagen 2 bis 7 und 12,5 mg/kg an den Tagen 8 bis 10). Primäre Endpunkte waren die Bestimmung pharmakokinetischer Parameter sowie die Sicherheit und Verträglichkeit von Favipiravir im Vergleich zu Ribavirin.

Die in der Studie gewählte Dosierung von Favipiravir zeigte eine zuverlässige Pharmakokinetik. Die erreichten Wirkstoffspiegel waren ausreichend hoch und konsistent mit einer medianen maximalen Plasmakonzentration von 50,9 mg/l und einer Halbwertszeit von 10,9 Stunden. 

Von den 30 erfassten behandlungsbedingten Nebenwirkungen traten 16 in der Favipiravir-Gruppe (hauptsächlich Erbrechen) auf. In der Ribavirin-Gruppe kam es mehrheitlich zu Anämien, die in einem Fall lebensbedrohlich war. Die mittlere Krankenhausaufenthaltsdauer betrug zehn Tage, wobei Patienten des Favipiravir-Arms maximal zehn Tage hospitalisiert waren.

Die Ergebnisse zeigen, dass Favipiravir sowohl gut verträglich ist als auch eine ausreichende pharmakokinetische Exposition aufweist. Somit wurden die primären Endpunkte erreicht.

Mehr von Avoxa