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Covid-19-Patienten

Erste Erfahrungen mit hospitalisierten Patienten aus Aachen

Die Uniklinik Aachen hat schon früh im Verlauf der Coronavirus-Pandemie Patienten mit Covid-19 behandelt. Ihre Erfahrungen stellt sie aktuell im »Ärzteblatt« vor.
Christina Hohmann-Jeddi
06.04.2020  18:14 Uhr
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Wegen ihrer Nähe zu Heinsberg wurden in der Uniklinik Aachen schon früh Covid-19-Patienten aufgenommen. Zu den ersten 50 Patienten mit und ohne akutem Lungenversagen (ARDS) veröffentlichten Mediziner der Klinik unter der Leitung der Professoren Dr. Nikolaus Marx und Dr. Michael Dreher nun ihre Erkenntnisse in der Fachzeitschrift »Deutsches Ärzteblatt«. Da es sich um hospitalisierte Patienten handelt, werden leichte und asymptomatische Verläufe nicht behandelt.

Der Publikation zufolge lag das mittlere Alter bei 65 Jahren und wie die Autoren ausführen damit etwas höher als bei größeren Fallserien aus China, bei denen das Durchschnittsalter bei etwa 56 Jahren lag. Die Patienten der deutschen Kohorte hatten alle bekannte Vorerkrankungen. Bei den chinesischen Patienten war dies nur bei 40 bis 50 Prozent der Fall. Bei den in Aachen behandelten Covid-19-Patienten betrug die mediane Dauer vom Beginn der Symptome bis zur Hospitalisierung vier Tage. Führende initiale Symptome waren Fieber, Dyspnoe und Husten. 24 intubierte Patienten wurden mit ARDS unterschiedlichen Schweregrads auf der Intensivstation behandelt, 26 spontan atmende, aber sauerstoffpflichtige Patienten ohne ARDS auf einer Isolierstation außerhalb der Intensivstation.

Patienten mit ARDS waren im Vergleich zu denen ohne ARDS häufiger respiratorisch vorerkrankt (58 Prozent versus 42 Prozent) und wiesen häufiger Übergewicht/Adipositas auf (83 Prozent versus 42 Prozent). Ein früherer oder aktueller Nikotinabusus kam bei dem gesamten Kollektiv mit 16 Prozent der Patienten relativ selten vor und war in der Patientengruppe mit akutem Lungenversagen mit 8 Prozent sogar noch seltener.

Deutliche Unterschiede bei Laborparametern

Beim Vergleich zwischen den Patienten mit und ohne ARDS war kein Unterschied in Bezug auf die Viruslast festzustellen, berichten die Mediziner. Das stehe im Gegensatz zu Daten aus China, die nahelegen, dass schwerere Verläufe mit einer erhöhten Viruslast einhergehen.

Bei der deutschen Kohorte gab es jedoch deutliche Unterschiede zwischen den beiden Gruppen in den erhobenen Laborparametern: So hatten ARDS-Patienten über den Beobachtungszeitraum anhaltend erhöhte Werte für Leukozyten, IL-6, Lactatdehydrogenase, Kreatinkinase sowie D-Dimere. Patienten ohne ARDS zeigten über eine Woche hinweg persistierend erhöhte Entzündungswerte und eine erhöhte Temperatur mit gleichzeitiger Sauerstoffpflichtigkeit. Insgesamt verstarben drei Patienten der ARDS-Gruppe an Multiorganversagen und vier Patienten in der Non-ARDS-Gruppe an respiratorischer Insuffizienz.

Die Studie weise einige Limitationen auf, betonen die Mediziner. Aufgrund der geringen Patientenzahl müssten die Ergebnisse noch in größeren Studien überprüft werden. Zudem sei zum Zeitpunkt der Datenerhebung noch ein Teil der Patienten hospitalisiert gewesen, weshalb das klinische Outcome nicht abschließend beurteilt werden könne.

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