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Neues Vertragsmodell bei CAR-T-Zelltherapie

Erstattung bei Erfolg

Um den Einsatz seiner innovativen, aber extrem kostspieligen CAR-T-Zelltherapie für die Krankenkassen finanzierbar zu halten, hat der Pharmakonzern Novartis mit einem Verbund mittelgroßer Krankenkassen ein neues Vertragsmodell abgeschlossen. Die Kasse erstattet den vollen Therapiepreis nur bei erfolgreicher Behandlung. 
Ev Tebroke
06.03.2019
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Die neu auf den Markt drängenden CAR-T-Zelltherapien sind Segen und Fluch zugleich. Für schwerkranke Patienten sind sie oft die letzte Hoffnung. Gleichzeitig sind diese Therapien extrem kostspielig. Da der Therapieerfolg ungewiss ist, bedeutet eine Erstattung solcher Behandlungen für die Krankenkassen ein hohes finanzielles Risiko. Um diese individuell zugeschnittenen Therapien aber trotzdem für Patienten zugänglich zu machen, erproben der Schweizer Pharmakonzern Novartis und ein Kassenverbund mittelständischer Betriebskrankenkassen nun ein neues Erstattungsmodell. 

Konkret geht es um das CAR-T-Zelltherapeutikum Tisagenlecleucel (Kymriah)® zur Behandlung von bestimmten Leukämie-Formen. Die neue Zelltherapie ist in Deutschland seit Herbst 2018 auf dem Markt und kostet derzeit 320.000 Euro. Wie Novartis und GWQ Service Plus heute bekannt gaben, haben sie für Kymriah vereinbart, dass der Pharmakonzern den Kassen einen Teil der Arzneimittelkosten zurückzahlt, wenn die Therapie bei dem Patienten nicht zu dem vorgesehen Ergebnis führt, sprich er innerhalb eines definierten Zeitraums nicht überlebt. Bei dieser Vereinbarung handelt es sich um die erste dieser Art für eine onkologische Therapie in Deutschland. Doch das Beispiel könnte Schule machen. Erst kürzlich hatte auch die Techniker Krankenkasse ein dynamisches Preismodell beim Einsatz von Gentherapien und anderen neuen Therapien gefordert. 

»Der Vertrag zwischen der GWQ und Novartis macht deutlich, dass es möglich ist, gemeinsam nachhaltige Lösungen für das Gesundheitssystem zu entwickeln und gleichzeitig den schnellen Patientenzugang zu therapeutischen Innovationen zu fördern«, so Oliver Harks, Bereichsleiter Einkaufsmanagement bei GWQ. Gerade bei Einmalgaben im stationären Bereich sei es essenziell, den Krankenhäusern und Patienten rasch Erstattungssicherheit zu gewähren. 

Die CAR-T-Zelltherapie, eine zelluläre Immuntherapie, ist ein völlig neuer Therapieansatz. Kymriah wird eingesetzt zur Behandlung von Patienten im Alter bis zu 25 Jahren mit refraktärer oder rezidivierter akuter lymphatischer B‑Zell‑Leukämie (ALL) sowie bei erwachsenen Patienten mit rezidiviertem oder refraktärem diffus großzelligem B‑Zell‑Lymphom (DLBCL) nach zwei oder mehr Linien einer systemischen Therapie. Die einmalige Behandlung kann bei manchen Patienten, bei denen zuvor alle anderen Therapieversuche gescheitert sind, dazu führen, dass die Erkrankung nicht mehr nachweisbar ist. Mit Axicabtagen Ciloleucel (Yescarta®) von Kite Pharma hat bereits ein zweites CAR-T-Zelltherapeutikum im August 2018 die EU-Zulassung erhalten und ist seither auf dem Markt verfügbar.

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