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Asthma-Therapie

Erhöhtes Osteoporose-Risiko unter Cortison-Sprays und -Tabletten

Eine langfristige Therapie mit Corticosteroiden erhöht bei Asthmatikern das Risiko für Osteoporose und Knochenbrüche. Zu diesem Ergebnis kommt eine Fall-Kontrollstudie und mahnt, früh genug Bisphosphonate einzusetzen.
Daniela Hüttemann
21.10.2020  10:30 Uhr

Die Anwendung von Corticoid-haltigen Inhalatoren oder Tabletten zur Behandlung von Asthma ist mit einem erhöhten Risiko für brüchige Knochen (Osteoporose) und einer erhöhten Anfälligkeit für Knochenbrüche (Fragilitätsfrakturen) verbunden. Je höher die kumulative Dosis und je länger die Behandlungsdauer, desto größer scheinen diese Risiken zu sein, zeigen die Ergebnisse einer neuen Fall-Kontrollstudie aus Großbritannien, die jetzt im Fachjournal »Thorax« erschienen ist.

Dafür analysierten Forscher um Christos Chalitsios von der University of Nottingham die Verordnungs- und Diagnose-Daten von 15,4 Millionen Briten. Dabei verglichen sie die Daten von allen Erwachsenen, die zwischen April 2004 und Dezember 2017 die Diagnose Asthma erhalten hatten und eine Osteoporose oder ein Knochenbruch vorlag, mit mindestens vier Asthmapatienten desselben Alters und Geschlechts, behandelt in derselben Arztpraxis, die jedoch keine Osteoporose oder Knochenbrüche hatten. Dann werteten sie die Medikation der Patienten aus.

Dabei fanden sie ein dosisabhängiges erhöhtes Risiko für die Patienten sowohl unter oraler als auch inhalativer Corticosteroid-Behandlung. Wer mehr als neun Verordnungen für Cortison-haltige Tabletten innerhalb des Vorjahres eingelöst hatte, hatte ein um den Faktor 4,5 erhöhtes Osteoporose- und um den Faktor 2,16 erhöhtes Frakturrisiko. Wer elf oder mehr Rezepte für Corticoid-haltige Inhalatoren eingelöst hatte, hatte ein 1,6- beziehungsweise 1,3-fach erhöhtes Risiko für Osteoporose oder Knochenbrüche.

Bei Asthmatikern an Knochenschutz denken

Nun lässt sich eine langfristige Corticoid-Therapie bei Asthmatikern oft nicht vermeiden. Niedrig dosierte inhalative Corticosteroide (ICS) werden in der erst vor kurzem aktualisierten Nationalen Versorgungsleitlinie Asthma bereits ab Schweregrad 2 als Erstlinientherapie für die Langzeittherapie empfohlen und müssen über Jahre angewendet werden. Allerdings berücksichtigten die Asthma-Leitlinien bislang nur unzureichend das Management von Komorbiditäten an den Knochen und es werden auch keine Empfehlungen zum Knochenschutz gegeben. Dies müsse sich ändern.

So zeigte die Analyse auch, dass nur rund die Hälfte der Patienten, die mehr als neun Verordnungen für Corticoid-Tabletten pro Jahr erhielten, auch ein knochenschützendes Bisphosphonat in dem Jahr bekamen, als die Osteoporose-Diagnose hinzukam. Unter den Patienten mit mindestens elf ICS-Inhalatoren pro Jahr waren es noch weniger. Die Autoren empfehlen den Ärzten, über eine präventive Gabe von Bisphosphonaten nachzudenken.

Als mögliche Schwächen ihrer Studie geben sie an, dass es sich um eine Beobachtungsstudie handelt, die keine Kausalwirkung nachweisen kann. Ausgewertet wurden Verordnungsdaten, nicht, wie häufig die Medikamente tatsächlich angewendet wurden. Zudem würden Inhalatoren oft nicht richtig angewendet, sodass unklar ist, wie hoch die tatsächliche jährliche Corticoid-Dosis war.

Nichtsdestotrotz sehen sie ein klar erhöhtes Risiko für Osteoporose und Knochenbrüche bei kumulativen Dosen. Der Gebrauch von Corticosteroiden sollte auf das zur Behandlung der Symptome erforderliche Minimum beschränkt und zurückgenommen werden, wenn die Symptome und Exazerbationen gut behandelt werden, so ihre Empfehlung.

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