| Melanie Höhn |
| 05.06.2026 13:00 Uhr |
Die Auswirkungen seien in Apotheken und Kliniken bereits spürbar. Ein Allgemeinmediziner im Iran berichtete der DW, dass einige Medikamente seit Kriegsbeginn faktisch vom Markt verschwunden seien, während andere offenbar nur noch sporadisch oder zu stark überhöhten Preisen erhältlich seien.
Ein Kardiologe erklärte, die Preise seien derart in die Höhe geschnellt, dass manche Patienten den Kauf ihrer dringend benötigten Medikamente schlichtweg einstellten.
Einer seiner Patienten erzählte, eine Apotheke bewahre das Thrombozytenaggregationshemmer Osvix mittlerweile in einem Tresor auf. Medikamente, die früher Mangelware gewesen seien, seien nun zwar technisch gesehen wieder verfügbar, doch seien sie mittlerweile so teuer, dass viele Menschen sie sich nicht mehr leisten könnten.
Dies mögen zwar Einzelfälle sein, doch spiegeln sie in ihrer Gesamtheit ein umfassenderes Muster wider. Die Krise beschränkt sich nicht mehr allein auf seltene oder hochspezialisierte Medikamente; sie beginnt nun auch, die alltägliche medizinische Versorgung im Iran zu beeinträchtigen.
Ein Angehöriger eines älteren, an Diabetes erkrankten Patienten in der nördlichen Stadt Rascht berichtete, dass Insulin rationiert und zu einem sechsfach höheren Preis als noch in der Vorwoche verkauft werde.
Ein anderer Patient, der aufgrund einer chronischen Erkrankung auf tägliche Medikamente angewiesen ist, erzählte der DW, er verfüge nur noch über einen Medikamentenvorrat für 18 Tage. »Seit sechs Wochen suche ich Apotheken ab – ich laufe von einer zur nächsten in der Hoffnung, das Medikament zu finden, und jedes Mal erhalte ich dieselbe Antwort: Wir haben es nicht«, sagte er.
Einige Patienten würden nun soziale Medien und private Chatgruppen nutzen, um sich gegenseitig darauf aufmerksam zu machen, wenn eine Apotheke ein bestimmtes Medikament noch vorrätig hat.
Vor dem Krieg verließen sich manche Familien darauf, dass Verwandte im Ausland ihnen über informelle Netzwerke Medikamente aus Nachbarländern oder Europa zusandten. Angesichts verschärfter Beschränkungen und gestörter Kommunikationswege scheine auch dies inzwischen nicht mehr möglich.