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Raucherentwöhnung

Engagement der Apotheker ist »extrem wichtig«

»Das Behandlungsziel ist immer eine absolute Abstinenz, eine Verminderung des Rauchens zur Harm Reduction ist nur in Einzelfällen angebracht«, betonte Batra bei der Vorstellung der S3-Leitlinie »Rauchen und Tabakabhängigkeit: Screening, Diagnostik und Behandlung«

Erstes Ziel sei es, die Motivation zum Aufhören herzustellen und zu unterstützen. Dabei könnten niederschwellige Angebote hilfreich sein. Denn neben der aufwendigeren Verhaltenstherapie (KVT) in Einzel- und Gruppensitzungen haben sich auch Kurz- und Telefonberatung, internetbasierte und mobile Selbsthilfeprogramme als hilfreich erwiesen. Bei Personen, die stark tabakabhängig sind, sei eine Kombination aus Psycho- und Pharmakotherapie am wirksamsten, erklärte Batra.

Breites Spektrum an medikamentösen Ausstiegshilfen

Bei Entzugssymptomen empfiehlt die Leitlinie zunächst die Nikotinersatztherapie in verschiedenen Darreichungsformen wie Kaugummi, Inhaler, Lutschtablette, Nasal- oder Mundspray sowie Pflaster, die je nach Bedarf des Rauchers dosiert werden. Sie eignet sich auch zur Rückfallprophylaxe.

Zugelassene Arzneistoffe zur Tabakentwöhnung sind Bupropion und Vareniclin und seit Kurzem auch der partielle Nikotinrezeptor-Agonist Cytisin. Waren diese nicht erfolgreich, werden off Label auch Nortriptylin und Clonidin eingesetzt. Bei Medikamentengabe sollte den Patienten immer eine Beratung und eventuell Verhaltenstherapie angeboten werden.

Kinder, Jugendliche und Schwangere sollten keine Medikamente zur Entwöhnung einnehmen, heißt es in der Leitlinie. Nur in genau spezifizierten Ausnahmefällen könne Nikotinersatz eingesetzt werden.

E-Zigaretten zur Entwöhnung umstritten

Ob E-Zigaretten als Weg zur Nikotinabstinenz hilfreich sind, ist umstritten. Die Datenlage sei sehr widersprüchlich. »Viele Raucher sind duale Konsumenten, rauchen also neben der E-Zigarette auch normale Zigaretten.« Eine stationäre Nikotinentzugstherapie für Schwerstfälle war laut Batra in Österreich sehr erfolgreich, sei aber in Deutschland kaum denkbar.

Nach Erhebungen des Statistischen Bundesamts rauchen in Deutschland 22,4 Prozent der Menschen ab dem 15. Lebensjahr. Etwa 50 bis 60 Prozent gelten als abhängig; bundesweit sind dies etwa 7,5 bis 9 Millionen. Bei Kindern und Jugendlichen gehe die Rauchquote kontinuierlich zurück, so Batra, während sie bei Erwachsenen im jungen und mittleren Alter unverändert hoch bleibe. Die höchste Prävalenz hätten Männer zwischen dem 25. und 40. sowie Frauen zwischen dem 25. und 60. Lebensjahr.

 

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