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Starke Raucher

E-Zigaretten als Ausstiegshilfe?

E-Zigaretten oder Tabakerhitzer können effektiv in der Raucherentwöhnung sein. Damit könnten starke Raucher ihren Zigarettenkonsum deutlich reduzieren, meinen Experten der Deutschen Gesellschaft für Gefäßchirurgie und Gefäßmedizin.
Brigitte M. Gensthaler
20.10.2022  14:30 Uhr

Die Rolle von E-Zigaretten und Tabakerhitzern in der Raucherentwöhnung ist umstritten. Während Lungenfachärzte diese strikt ablehnen, setzen sich Gefäßmediziner für einen gezielten Einsatz ein. »Wir plädieren dafür, E-Zigaretten nicht komplett zu verbannen, sondern setzen auf Risikoreduktion«, sagte Professor Dr. Martin Storck vom Städtischen Klinikum Karlsruhe am Mittwoch bei einer Online-Pressekonferenz anlässlich der 38. Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Gefäßchirurgie und Gefäßmedizin (DGG) in Wien.

Starke Raucherinnen und Raucher, die komplett auf schadstoffreduzierte E-Zigaretten oder Tabakerhitzer umsteigen, könnten ihre Schadstoffbelastung um mehr als 90 Prozent reduzieren, sagte der Direktor der Klinik für Gefäß- und Thoraxchirurgie. Damit sinke wahrscheinlich das Risiko für kardiovaskuläre und maligne Erkrankungen im Vergleich zum fortgesetzten Rauchen von Verbrennungszigaretten.

Storck sieht in den Produkten, die nikotinhaltige und -freie Flüssigkeiten verbrennungslos verdampfen, eine Option für Personen, die nicht mit den Zigaretten aufhören wollen. Dies seien etwa 80 Prozent der starken Raucher. Sie würden von den anerkannten Entwöhnungsstrategien wie Kurzberatung, verhaltenstherapeutische Einzel- oder Gruppenbehandlung, Nikotinersatztherapie und medikamentöse Unterstützung mit Vareniclin oder Bupropion nicht erreicht. In Beratungsgesprächen hätten Ärzte kaum Zeit, um Patienten zur Rauchabstinenz zu motivieren. »Wenn man nur die Abstinenz ins Auge fasst, schaffen dies die meisten nicht. Die Entwöhnung von der Menge der gerauchten Verbrennungszigaretten, also die Risikoreduktion, ist das Ziel. Erst am Ende steht die totale Entwöhnung.«

Den neuen Trend zu Einweg-E-Zigaretten bezeichnete Storck als Katastrophe. Niemand behaupte, dass E-Zigaretten und Tabakerhitzer risikofrei oder gar gesund seien. Nichtraucher sollten diese Produkte meiden. Es gehe vielmehr um schadstoffreduzierte Alternativen zur Verbrennungszigarette für starke Raucher, die nicht aufhören können, betonte der Gefäßmediziner.

In der S3-Leitlinie zu Rauchen und Tabakabhängigkeit (Stand 2021) heißt es, »dass E-Zigaretten zwar nicht ohne Risiken sind, aber die langfristigen Auswirkungen des E-Zigarettenkonsums sehr wahrscheinlich deutlich geringer sind als die des Tabakrauchens.« Werde der Einsatz der E-Zigarette zur Unterstützung der Tabakabstinenz erwogen, dann sollte dies nur nach Versagen oder Ablehnung anderer evidenzbasierter Maßnahmen sowie Aufklärung über bekannte Risiken bei gleichzeitiger Beendigung des Tabakkonsums geschehen, schreiben die Leitlinienautoren.

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