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Herz-Kreislauf-Erkrankungen

Empfehlungen für die Medikation in der Schwangerschaft

Frauen mit Herz-Kreislauf-Erkrankungen können in der Schwangerschaft meist nicht einfach auf ihre Medikamente verzichten. Ärztinnen und Ärzte müssen sich Gedanken machen, welche Behandlung in dieser Zeit machbar ist. Ratschläge dazu gab es bei der Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Kardiologie.
Sven Siebenand
13.04.2021  08:55 Uhr

Das Positive vorweg: In den meisten Indikationen gibt es etwas, das man durchaus empfehlen kann, so Dr. Wolfgang E. Paulus vom Universitätsklinikum Ulm. Der Pränatalmediziner betonte aber auch, dass verschiedene Herz-Kreislauf-Medikamente in der Schwangerschaft nicht zu empfehlen sind. Dazu gehören zum Beispiel ACE-Hemmer und Sartane. Kommen sie im zweiten oder dritten Schwangerschaftsdrittel zum Einsatz, kann dies schwere Fetopathien auslösen. »Dies beruht vor allem auf der Schädigung der fetalen Niere, wovon sich weitere Komplikationen ableiten«, informierte Paulus.

Ein heißes Eisen in der Schwangerschaft sind laut dem Mediziner auch Gerinnungshemmer. So solle man sich bei Vitamin-K-Antagonisten wie Phenprocoumon, Acenocoumarol und Warfarin durchaus wegen fruchtschädigender Effekte Gedanken machen. Verschiedene Anomalien, etwa ZNS-Defekte, Taubheit, Blindheit oder Nasen-Hypoplasie, seien beschrieben. Mittel der Wahl als Alternative zu den Vitamin-K-Antagonisten seien Heparine, die nicht placentagängig sind. Die Dosierung sollte an das Körpergewicht angepasst werden und regelmäßig sollten die Effekte labortechnisch kontrolliert werden. Bei Heparin-Unverträglichkeit ist laut Paulus auch Fondaparinux möglich, für das es keine Hinweise auf Teratogenität gebe. »Mit den neuen oralen Antikoagulanzien gibt es in der Schwangerschaft bisher noch viel zu wenig Erfahrung«, mahnte der Arzt zur Vorsicht beim Einsatz von Faktor-Xa-Hemmern und direkten Thrombinhemmern bei Schwangeren.

Als nicht empfehlenswertes Antiarrhythmikum hob Paulus wegen des hohen Iod-Gehalts Amiodaron hervor. Die Daueranwendung könne zu Hypothyreose, kongenitaler Struma und fetaler Bradykardie führen. Gute Erfahrungen habe man dagegen im zweiten und dritten Trimenon mit Flecainid gemacht, das auch zur Behandlung bei fetaler Tachyarrhythmie erfolgreich zum Einsatz kommt. Auch für Sotalol und Lidocain gibt es laut dem Mediziner bislang keine Hinweise auf Teratogenität.

»Bei den Betablockern gibt es Unterschiede«, informierte Paulus. Bevorzugt sollten β1-selektive Substanzen zum Einsatz kommen. Die größten Erfahrungen habe man mit dem Wirkstoff Metoprolol. Weniger günstig wegen nachgewiesener fetaler Wachstumsrestriktion seien dagegen Atenolol und Propranolol.

Auch bei den Calciumkanalblockern gibt es Unterschiede. Viel Erfahrung habe man mit Nifedipin gesammelt, das auch als Wehenhemmer zum Einsatz kommt. Auch bei Verapamil gibt es Paulus zufolge keine Hinweise auf Teratogenität. Dagegen sei zum Beispiel die Datenlage zu Isradipin bis dato begrenzt und Diltiazem werde in Tierversuchen mit fruchtschädigenden Effekten in Verbindung gebracht.

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